35. Marathonstaffel der SKV Mörfelden
Fotos: Gabi & Peter Gründling
Triathleten auf dem Vormarsch, aber Spezialisten weiterhin vorn
Mörfelden, 15. Janaur 2012 – „In einer Staffel laufen nacheinander mehrere Läufer in einer Stafette genannten Mannschaft und überreichen sich dabei einen Stab.“ So klärt Wikipedia diejenigen auf, die sich für das Wort „Staffellauf“ interessieren. In Mörfelden, zusammen mit Walldorf als Doppelstadt mit 34.000 Einwohnern nach der Nachbarstadt Rüsselsheim die zweitgrößte im südhessischen Landkreis Groß-Gerau, ist der Staffelstab ersetzt durch einen Transponder am Klettband. Dieser wird bei der Marathonstaffel oftmals in der Hand getragen wie in der Stadionleichtathletik das Staffelholz. Auf den 10,55 km, die jeder Läufer zu absolvieren hat, gilt auch hier: bloß nicht fallen lassen. Deshalb kann es ganz sinnvoll sein, das Klettband doch ums Handgelenk zu legen.
Rüsselsheim und Mörfelden „teilen“ sich nicht nur den Landkreis und das Waldgebiet, in dem die diversen Volksläufe beider Leichtathletikvereine ausgetragen werden, sie teilen sich, zumindest in diesem Jahr, auch das Lauf-Wochenende im Januar. Am Samstagnachmittag konnte man in Rüsselsheim im Rahmen der Winterlaufserie 15 km laufen und am Sonntagmorgen in Mörfelden mindestens eine Runde im Rahmen des Staffelwettbewerbs. Dieser ist grundsätzlich und von der Idee her für Viererteams ausgeschrieben. In den letzten Jahren hat es sich ein bißchen eingeschliffen, daß auch immer wieder Marathonsammler teilnehmen, die in der marathonarmen Winterzeit hier eine Kerbe in ihr Zählholz schnitzen wollen. Andere, denen 10,5 km zu wenig, 42,2 aber zu viel sind, teilen sich die Strecke zu zweit. Dabei ist die Lauftechnik genauso variabel wie beim Viererteam. Die Schnellen zuerst? Die Langsamen zuerst? Beim Zweierteam vielleicht zwei Halbmarathons? Oder doch vier Zehner? Jedes Team hat da seine eigene Weisheit und Wiederholungstäter probieren auch gerne mal eine andere Variante aus.
Angela Ngamkam und René Strosny aus Modautal, für Renés Heimatverein LV Bautzen unterwegs, ließen drei Mal der Frau den Vortritt, schafften es aber nie unter drei Stunden ins Ziel. Dieses Jahr sollte René vorlegen. Für die erste Runde brauchte er, in Zwecklaufgemeinschaft mit Frank Wiegand, der mit der LG Bad Soden Neuenhain Gesamt-Vierter und Sieger der Seniorenwertung wurde, 39:08 min. Bei seinem zweiten Durchgang gut 52 min später war er dann eine Minute langsamer. Aber auch Angela wurde langsamer und war auch bekennendermaßen nicht so gut drauf wie im Vorjahr, als sie Tempotraining machte. Heute absolviert sie wöchentlich massiv Höhenmeter am neuen Wohnort und so knackten die beiden die 3 h-Marke wieder nicht. Nach 3:06:24 h belegten sie den dritten Platz in der Mixed-Wertung.
Das Rennen um die schnellste Runde ging mit denkbar knappen 2 Sekunden an Martin Skalsky. Der 33jährige siegte in den beiden vergangenen Jahren an gleicher Stelle beim Halbmarathon. In den letzten drei Monaten mußte er pausieren, weil er eine Zyste im Knie hatte. In Anbetracht der Pause war er mit seinen 36:30 min als Startläufer des schnellsten Mixed-Teams „Mainzer Laufladen“ durchaus zufrieden. Er ist für den Barcelona-Marathon Ende März gemeldet, wo er eigentlich unter 2:30 h laufen wollte. Diesen Plan hat er jetzt aufgegeben. Auch wenn er in Barcelona (gebucht ist gebucht) an den Start gehen wird, hat er das Vorhaben auf den Mainz-Marathon fünf Wochen später verschoben. Der in Mainz-Kostheim wohnende Fan des 1. FC Köln arbeitet als Geschäftsführer der TG Rüsselsheim und legt häufig seinen Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Rad zurück. So kommen dann zu Hoch-Zeiten auch ganz schnell mal 150 Laufkilometer pro Woche zusammen. „Und meine CO2-Bilanz ist außerdem sehr brauchbar“ schmunzelt er. Daß sein Team von den Zeiten her nicht wirklich zu ihm passte, störte ihn nicht. „Hier geht’s um den Mannschaftsgedanken“, meinte er, als er auf dem Weg war, seine Nach-Läuferin Ilse Paal auf ihren letzten Kilometern zu begleiten. Während Skalsky das Feld nach der ersten Runde noch mit 1,5 Minuten anführte, wurde er mit seinen Staffelkameraden Ilse Paal, Stock und Stephan Schweiger neben dem Mixed-Sieg noch Gesamt-14.
Die zweitschnellste Runde lief mit 36:32 min Jürgen Zehnder, der damit sein Team vom TSV Pfungstadt als Schlußläufer endgültig zum Sieg führte. Jürgen Zehnder und seine Frau Tanja, die heute die Laufschuhe zugunsten der Beaufsichtigung der beiden Töchter zuhause ließ, sind Stammgäste in Mörfelden und Jürgen ist für seine Motivation als Staffelläufer bekannt. Aber gewonnen haben er und seine Pfungstädter Vereinskollegen noch nie. Zumindest nicht die derzeitige Läufergeneration. Reinald Stärz, der wegen einer neuen Hüfte nicht mehr selbst laufen kann, aber die Pfungstädter Staffeln nach wie vor organisiert, war vor vielen Jahren mal mit einer 2:26er Staffel siegreich. Das heutige Team, bestehend aus zwei jungen Mittelstrecklern und zwei Sraßenläufern, war in der Besetzung Beck-Grieß-Uhrig-Zehnder mit 2:34:14 h nur unwesentlich langsamer als Skills04 Frankfurt als Siegerteam im Vorjahr.
Die Frankfurter waren in diesem Jahr in anderer Besetzung mit 2:37:09 h Zweite. Das schwächste Glied war dabei Frank Zimmer, der allerdings einen triftigen Grund dafür hatte. Er war erst in der Nacht aus dem Skiurlaub zurück gekommen und wäre froh gewesen, wenn sich ein anderer Läufer gefunden hätte, der seinen Platz einnimmt. Üblicherweise kommen die in leuchtendes Orange gekleideten Skiller sogar mit mehr als einem Team, aber in diesem Jahr war irgendwie der Wurm drin.
Mit bis zu 20 Teams war auch Spiridon Frankfurt früher in Mörfelden. Heute brachten es die Blauhemden gerade mal auf acht Mannschaften. Die schnellste Männermannschaft war als Gesamt-6. 2:51:11 h unterwegs, die Damenmannschaft mit über 200 Jahren Gesamtalter brauchte als langsamstes Spiridon-Team 4:02:14 h.
Die Sonderwertung „Ü200“ ist eine Besonderheit in Mörfelden und so mancher Verein stellt seine Staffeln extra so zusammen, daß 200+-Teams dabei rauskommen. Die schnellsten Oldies kamen in diesem Jahr aus dem Odenwald. Der LC Michelstadt belegte in der Besetzung Hartung-Schweitzer-Seeger-Köcher den siebten Gesamtrang und den fünften in der Männerwertung. Was bedeutet, daß nicht alle Michelstädter über 40 waren, sonst wären sie in der Seniorenwertung gestartet.
Die schnellsten Frauen kamen zum wiederholten Mal aus Darmstadt. Der ASC, der das drittschnellste Männerteam stellte, belegte mit seinen Mädels in der Besetzung Wiesmair-Müller-Jägemann-Behrens Gesamtrang nach 2:51:04 h Gesamtrang 5. Der Vorsprung auf das zweite Frauenteam, den Rheudommtroblerinnen, die in Riedstadt auf dem Rheindamm rumtrampeln, betrug 20 min, in denen 38 weitere Staffeln das Ziel erreichten.
Auffällig ist die immer weiter steigende Zahl von Triathleten. Ein ganzer Haufen davon startete bei der 35. Staffel im gelb-schwarzen Anzug der Hardtsee-Mafia. Im Hardtsee ist die Schwimmstrecke des Kraichgau-Triathlons. Die dazugehörige Mafia rekrutiert sich aus bundesweit ansässigen Trias, die sich über Facebook zusammen gefunden haben. Inzwischen zählt die Community rund 500 Mitglieder, über 100 von ihnen aktive Triathleten, der Rest Fans. Die schnellsten Mafiosi, Thomas Weber, Gordon Uebing, Alexander Linn und Bernd Müller, belegten nach 2:55:33 h Platz 21.
120 Staffeln gingen an den Start, insgesamt waren 133 Startnummern vergeben. Ein Team kam nicht ins Ziel, so daß der 119., Dietmar Mintgen als Einzelläufer, nach 4:41:05 h vom Transpondersystem erfasst wurde. Da war die Siegerehrung schon gelaufen und die meisten Läufer waren auf dem Weg nach Hause. Viele davon werden sicher 2013 auch wieder am Start sein und hoffen, daß das Wetter so gut sein wird wie zur 35. Austragung: strahlend blauer Himmel, Sonne und Temperaturen knapp oberhalb des Gefrierpunkts. Das Thermometer von VanMan Jochen Heringhaus zeigte bis zu 19 Grad an – aber nur, weil es stundenlang in der durchaus wärmenden Sonne stand.
Veranstaltungsseite mit Ergebnissen: www.lg-mw.de


