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36. Bietigheimer Silvesterlauf

[eingestellt am 31. Dezember 2016]

By: Jochen Höschele

Fotos: Andreas Torzewski

Nach dem ersten Anstieg ist die Spitzengruppe, angeführt von Sebastian Reinwand, Bastian Franz und Florian Röser nach etwa 800 Metern oben an der Schwarzwaldstraße angekommen

Von links nach rechts: 14. Marcus Schöfisch, 3. Mitku Seboka, 12. Marcel Bräutigam (verdeckt), 11. Julian Flügel, 5. Andreas Straßner, 1. Simon Boch, dahinter verdeckt 9. Philipp Baar, 8. Florian Röser, 6. Jonas Koller, 7. Thorben Dietz laufen nach einem knappen Kilometer in der vielköpfigen Spitzengruppe

15. Timo Göhler, 2. Fabian Clarkson und 18. Markus Weiß-Latzko bilden die erste Verfolgergruppe, die nur wenige Meter hinter den Spitzenläufern in Richtung Schulzentrum Ellental läuft

Alina Reh (weißes Oberteil) liegt nach dem ersten Anstieg weit vor allen anderen Frauen und nimmt die Verfolgung von 23. Silvan Rauscher (112) und dem U18-Sieger Dustin Uhlig (618) auf, der 27. wird

Veronica Clio Hähnle-Pohl (rote Hose, weißes Oberteil) wird Fünfte in 40:21 min, neben ihr 93. Ralf Mickeler (121), vorneweg Nico Elsässer, der in 38:41 min auf Platz 30 landet

Die erste Runde ist nach 4,8km absolviert, und noch immer besteht die Führungsgruppe aus neun Sieganwärtern. Von links: Thorben Dietz, Jonas Koller (verdeckt dahinter), Fabian Clarkson, Sebastian Reinwand, Philipp Baar, Andreas Straßner, Florian Röser und Simon Boch. Verdeckt der spätere Dritte, Mitku Seboka

Julian Flügel geht als Ein-Mann-Verfolgergruppe nach knapp fünf Kilometern in Runde zwei

10. Lukas Eisele, 13. Bastian Franz und 12. Marcel Bräutigam liegen knapp hinter Flügel, haben aber schon etwas Rückstand auf die Spitzengruppe

Marcus Schöfisch kämpft alleine auf weiter Flur

Der Sieger des Trollinger-Marathons 2016, Markus Weiß-Latzko, wird 18. und muss sich in Runde zwei ebenfalls alleine durchbeißen

21. Ulrich Königs (613) und M30-Dritter Thomas Thyssen, der auf Rang 17 einläuft

20. Jan Anstett (102), der sich in 36:56 min den zweiten Platz in der U20 sichert. Mit der Siegerin Alina Reh kann er allerdings in der zweiten Runde nicht ganz mithalten und muss die neue Streckenrekordhalterin ziehen lassen

Alina Reh läuft mit 36:47 min netto so schnell wie noch keine Frau zuvor in Bietigheim und siegt zum vierten Mal in Folge beim Silvesterlauf

Fabienne Amrhein belegt in 38:56 min Platz zwei; dahinter Philipp Nothof (37:59 min)

Mareike Bechtloff kommt nach 39:39 min auf den dritten Rang. Eingangs der zweiten Runde wird sie von M40-Sieger Alessandro Collerone (111; 39:23 min; Platz 36), 44. Moritz Pöndl (611; 40:04 min) sowie 41. und U16-Sieger Paul Specht (155; 39:57 min) begleitet

W40-Siegerin Simone Raatz kommt als Vierte in 40:12 min ins Ziel und hat zu Beginn der zweiten Runde Sven Kratochwil (43. in 40:00 min) im Nacken

Nicole Möbus läuft als siebte Frau nach 41:31 min unterm Viadukt ins Ziel

Hinter dem Dritten der M50, Klaus Kaps (208), der in 42:54 min als 86. einläuft, wird das Feld dichter. Christian Jödecke (616) und Andreas Limbach (183) sind ihm auf den Fersen

Der Moment der Entscheidung: Simon Boch spurtet zum Sieg und wiederholt seinen Vorjahreserfolg in 33:27 min

Fabian Clarkson wird Zweiter des Bietigheimer Silvesterlaufes in 33:29 min

Der Deutsche Meister über 10.000m und im Halbmarathon des Jahres 2016, Mitku Seboka, belegt in 33:30 min den dritten Platz

Erst auf den letzten Metern setzt sich Sebastian Reinwand (verdeckt) gegen den zeitgleichen Sechsten Jonas Koller und M35-Sieger Andreas Straßner durch und sichert sich den vierten Gesamtplatz in 33:44 min.

Thorben Dietz ist in 33:48 min als Siebtplatzierter im Ziel unter dem Viadukt

Florian Röser, Achter nach 33:52 min

Philipp Baar als Neunter in 33:56 min noch „unter 34“

Lukas Eisele kann sich im Zielsprint noch gegen Julian Flügel durchsetzen und wird Zehnter und Sieger der U20 in 34:40 min vor dem zeitgleichen Olympiateilnehmer von Rio

Nur fünf Sekunden später ist mit Marcel Bräutigam schon ein Dutzend Läufer im Ziel

Bastian Franz ist nach glatt 35 Minuten Zweiter der M30

Marcus Schöfisch, Deutscher Marathonmeister 2016, wird unterm Viadukt 14. in 35:08 min

Alina Reh läuft zum vierten Sieg in Folge in Bietigheim und krönt ihre Leistung noch mit neuem Streckenrekord von 36:47 min. David Albrecht kommt als Erster nach dem „schnellen Reh“ in 36:48 min als 19. Mann ein

Fabienne Amrhein auf Rang zwei in 38:56 min

Mareike Bechtloff, Dritte in 39:39 min und 2. M35 Roland Bayer (39:37 min)

Simone Raatz gewinnt die W40 in 40:12 min, dahinter der M40-Zweite Ralf Himmelsbach (40:12 min)

Veronica Clio Hähnle-Pohl siegt in der W30 und läuft als Fünfte nach 40:21 min durchs Ziel, dahinter 49. Daniel Wilser

Die schnelle Reh zündet ein Feuerwerk

Bietigheim, den 31. Dezember 2016 – Wirklich überraschend war es nicht, dass Alina Reh (SSV Ulm) den 36. Bietigheimer Silvesterlauf für sich entscheiden konnte. Imponierend allerdings die Art und Weise, mit der sie zum vierten Mal in Folge an Enz und Metter triumphieren konnte. Obwohl die weibliche Konkurrenz sie nicht wirklich fordern konnte, stürmte die 19jährige Ausnahmeläuferin in 36:47 min zum neuen Streckenrekord und war – passend zum Lebensalter – als 19. im Gesamteinlauf im Ziel an der Halle am Viadukt. Entsprechend gelöst präsentierte sich die (neben Konstanze Klosterhalfen) größte Laufhoffnung des DLV im Ziel. „Die Stimmung war, wie jedes Jahr, echt der Hammer. Wo hat man sonst schon mal so viele Zuschauer bei einem Stadtlauf? Das Wetter hat natürlich auch super mitgespielt, und insgesamt war es einfach wieder klasse hier.“ Mit ihren vier Siegen, zudem noch in Serie, hat sie bereits jetzt Silvesterlauf-Geschichte geschrieben. Einzig die achtfache Gewinnerin Veronika Manz (Maiwald) hat ihr noch einiges voraus. Aber mit 19 Lenzen wird Alina Reh bestimmt nicht zum letzten Mal an der Enz einen sportlichen Jahresausklang feiern.

Ähnlich äußerte sich die Zweitplatzierte Fabienne Amrhein (MTG Mannheim; 38:56 min): „Die Stimmung war bombastisch. Am Berg und am Marktplatz, wie man da angefeuert wurde, das war echtes Gänsehautfeeling.“

Fabienne, immerhin Zweite des Halbmarathons beim Baden-Marathon in Karlsruhe dieses Jahr und Siebte der DM 10km Straße, konnte Alina jedoch zu keiner Zeit Paroli bieten. Zu überlegen war die vierfache Deutsche Meisterin der U20 des Jahres 2016 (1500m, 3000m, 5000m und Crosslauf), was sich auch im Vorsprung von über zwei Minuten niederschlägt. Doch wer, wie Amrhein, immer noch unter den besten 35 im Gesamteinlauf an Zielsprecher Michael Kloiber vorbeirennt, braucht sich wahrlich nicht zu verstecken. Dasselbe gilt für die Drittplatzierte Mareike Bechtloff vom ASV Erfurt. 2014 war sie schon einmal in Bietigheim gelaufen und damals Siebte geworden. Heuer landete sie nach 39:39 min gar auf dem Podest. Bereits auf dem vierten Rang kam mit Simone Raatz (ASC Darmstadt) die Siegerin der W40 ins Ziel, in 40:12 min lag sie neun Sekunden vor der W30-Siegerin Veronica Clio Hähnle-Pohl (TherapieReha Bottwartal). Auch noch in die Top Ten platzierten sich Isabel Leibfried (TherapieReha Bottwartal; 3.WHK in 41:10 min) als Sechste, Nicole Möbus (VfL Sindelfingen, Siebte in 41:31 min), W35-Siegerin Bettina Englisch (41:36 min) auf Platz acht, Katharina Wolff (9. in 42:28 min) und Regina Salinas (Zehnte in 42:49 min; alle TherapieReha Bottwartal). Die Damen des Teams „TherapieReha Bottwartal“ konnten sich auch mit über einer halben Stunde Vorsprung in 3:28:24 h in der Besetzung Hähnle-Pohl / Leibfried / Englisch / Wolff / Salinas die Mannschaftswertung vor dem „SWBB Energieteam“ (3:59:55 h) und den Ladies des TSV Neustadt/Rems (4:10:43 h) sichern.

Die schnellste Männermannschaft stellte ebenfalls die Equipe des „TherapieReha Bottwartal“. Die zehn schnellsten Athleten kommen in die Wertung, dabei verpassten die Bottwartäler die 6-Stunden-Marke denkbar knapp (6:00:37 h) und hatten mehr als 45 Minuten Vorsprung auf ihre Vereinkollegen der zweiten Mannschaft, auf Rang drei platzierten sich die Gastgeber der LG Neckar-Enz in 7:08 h.

Sehr spannend gestaltete sich das Rennen bei den Männern. Eine neunköpfige Spitzengruppe um Vorjahressieger Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) ging nach 4,8 Kilometern auf die zweite Runde. Der Ausgang des Rennens war völlig offen und erst im Verlaufe der zweiten Schleife entlang der Enz und durch die Gassen der Altstadt zerbröselte die Gruppe allmählich in ihre „Bestandteile“. Erst auf der leicht ansteigenden Zielgeraden konnte sich der 22jährige, der ursprünglich aus dem Schwarzwald stammt, gegen seinen härtesten Widersacher Fabian Clarkson (SCC Berlin) durchsetzen und den 36. Silvesterlauf für sich entscheiden. Nach 33:27 min hatte Boch gerade einmal zwei Sekunden Vorsprung auf den 26jährigen, der dieses Jahr bei der DM über 3000m Hindernis Vierter geworden war. Boch, der seine größten Erfolge auf der Crossstrecke feiern konnte (unter anderem als Teilnehmer der Cross-EM U23 2016), war derjenige mit dem größten Spurtvermögen in der Spitzengruppe. „Bei der Vorstellung der Top-Athleten gestern Abend dachte ich noch: „Puh, das wird aber echt ein knallhartes Rennen, so viele gute Leute sind am Start. Letztlich kam mir der Rennverlauf etwas entgegen, es ging nicht gleich so schnell zur Sache wie im Vorjahr.“ Der Schützling der Regensburger Trainerlegende Kurt Ring gab offen zu, dass „ich nie gedacht hätte, dass ich das Ding hier noch mal gewinnen könnte“. Andererseits war er sich seiner Stärke auch bewusst: „Ich wusste, ich bin fit und als Titelverteidiger kennen Dich die Leute hier und das Publikum war der Wahnsinn, die sind richtig ausgerastet.“ Als zweimaliger Sieger reiht sich Simon Boch in einen illustren Kreis ein, zu dem unter anderen Premierensieger Reiner Müller, Uli Steidel und Rico Schwarz gehören.

Der Zweitplatzierte Fabian Clarkson (SCC Berlin), erst Ende November Berlin-Brandenburgischer Doppelmeister im Cross auf der Mittel- und Langstrecke (Einzel und Mannschaft) geworden, hielt bis auf die Zielgeraden mit und wurde in einem Herzschlagfinale zwei Sekunden hinter Boch mit einem Podiumsplatz und einer satten Geldprämie belohnt. Auf den Drittplatzierten, Mitku Seboka (LAC Quelle Fürth), hatte Clarkson nur eine Sekunde Vorsprung. Der 28jährige, von Theo Kiefner trainierte Seboka, hat 2016 schon beachtliche Erfolge erzielt. So wurde er sowohl über 10.000m als auch im Halbmarathon Deutscher Meister. Bei der DM 10km Straße erreichte er die Bronzemedaille.

Doch der Kurs durch die Enzauen und die Altstadt Bietigheims hat seinen ganz eigenen Charakter. Es gibt nicht sehr viele Passagen für „Roller“, eher sind Athleten gefragt, die auf welligem Terrain das Tempo variieren können. So kam dann auch der im Vorfeld hoch gehandelte Olympiateilnehmer im Marathon, Julian Flügel (Asics Team Memmert), „nur“ auf Rang elf, weit über eine Minute hinter dem Sieger Boch. Obwohl er bereits das vierte Mal in Bietigheim dabei war, konnte er sich bislang nie auf das Podest laufen. Seine beste Platzierung datiert aus dem Jahre 2013, als er Vierter wurde.

Aus der Sicht der Spitzenläufer wird immer wieder die tolle Atmosphäre genannt, die das Rennen in Bietigheim so besonders machen.

Was aber bewegt die „breite Masse“ der insgesamt exakt 3003 erfolgreichen Teilnehmer, vulgo: Finisher? Zum einen wird auch in diesen Kreisen stets die „geile Stimmung“ angeführt, die besonders motivierend und leistungsfördernd sei. Dafür sorgen nicht nur die schätzungsweise 18.000 Zuschauer, auch diverse Musik- und Trommlergruppen heizen Sportlern und Publikum kräftig ein.

Typisch für einen Wettkampf, den eine starke regionale Verwurzelung kennzeichnet, sind die vielen Zuschauer, die „ihren“ Athleten und „ihre“ Sportlerin aus Leibeskräften anfeuern. Davon profitieren natürlich letztlich alle. Die Teilnehmer freuen sich und überwinden körperliche und mentale Tiefpunkte leichter, die Zuschauer läuten quasi die Silvesterparty schon am Nachmittag am Streckenrand ein und feiern sich selbst und die Aktiven.

Fast schon zur Randnotiz verkommt da, dass es auch für diejenigen, die sich die gesamten 11,1km mit ihren gut 100 positiven Höhenmetern (noch) nicht zutrauen, eine Möglichkeit zur Teilnahme am letzten Lauf des Jahres gibt: Die Staffel, bei dem sich drei Läuferinnen oder Läufer die Distanz teilen. Gewertet wird dabei in zwei unterschiedlichen Klassen, zum einen die „jungen Staffeln“ (alle Teilnehmer Jahrgang 2001 oder jünger) und die „alten Staffeln“, wo eben auch Teilnehmer mitrennen dürfen, die vor 2001 geboren wurden.

Das eröffnet dann auch all jenen eine Silvesterlaufteilnahme, die aufgrund ihres Alters die Bietigheimer Strecke noch nicht offiziell komplett allein bewältigen dürfen, weil sie dafür zu jung sind. Bei den „Juniorstaffeln“ (9 Staffeln im Ziel) siegten die „Laktat-Knaller“ in 47:04 min vor dem TSV Ensingen (47:48 min) und „Die Waschlappen“ (52:28 min). Bei den „Seniorstaffeln“ waren die SpVgg Holzgerlingen LT in 47:57 min die schnellste der insgesamt sechs Staffeln, dahinter folgten SV Bietigheim Runners in 48:38 min und die LG Neckar-Enz in 53:13 min.

Den 3012 Voranmeldungen bei Meldeschluß am 26.12. stand dann letztlich fast genau dieselbe Zahl an Finishern gegenüber. Bei guten Laufbedingungen – trockene Strecke, Sonnenschein und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt – hatten etliche Kurzentschlossene den Gang nach Bietigheim angetreten und am Lauftag oder tags zuvor auf der Laufmesse noch nachgemeldet. Über 3500 Startnummern hatten die Zeitnehmer von Mikatiming registriert, doch gingen viele bedingt durch kurzfristige Erkrankung oder Verletzung nicht an den Start, sondern begnügten sich stattdessen mit der Rolle als Zaungast.

Wer also noch einen guten Vorsatz für das Jahr 2017 benötigt, dem sei regelmäßiges Lauftraining ans Herz gelegt, um dann das „alte Jahr“ standesgemäß mit dem Silvesterlauf unterm Enztalviadukt ausklingen zu lassen und sich selbst von der „Mega-Stimmung“ zu überzeugen. Es lohnt sich!

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.bietigheimersilvesterlauf.de

 

 


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