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Trainingslager in Kenia, dem Land der Läufer

[eingestellt am 15. April 2011]

Von: Anna und Lisa Hahner

Vorne: U23 Crossweltmeister 2011

1500m Läufer aus Südsudan

Lisa und Anna Hahner

Kühe auf der Bahn

Herr Heinig verschenkt Laufschuhe

Lisa beim Tempotraining

Vater und Tochter Heinig

Links Gesa Krause, rechts Anna Hahner

V.l.n.r.: Clemens Kammer, Nico Sonnenberg, Benjamin Stalf

Kenianisches Kind schaut uns beim Training zu

Unsere Trainingsgruppe

…wie an einer Perlenkette

Restaurant Kerio View

Stabiübungen

Unsere Trainingsbahn

Ausblick aus den Zimmern

Wir verschenken unsere Sportshirts

Die Hahnertwins waren im Höhentrainingslager in Kenia und haben uns ein paar Eindrücke und Bilder mitgebracht:

Es ist 6.30h Ortszeit in Nairobi/Kenia. Unser Flieger aus Amsterdam ist gerade gelandet. Wir sind nun in Kenia. Dem Land, das so viele Weltklasseläufer hervorbringt wie kein anderes. Dem Land von Kipchoge Keino, Paul Tergat, Daniel Komen und Vivian Cheruiyot, der 5000m Weltmeisterin von Berlin und aktueller Crossweltmeisterin. Um nur einige zu nennen.


 Von Nairobi geht es mit einem Kleintransporter auf eine aufregende Fahrt nach Iten. Wir haben 6,5h Stunden Zeit, das Land Kenia kennen zu lernen, wobei die Fahrt beinahe schon nach einer halben Stunde beendet gewesen wäre. Plötzlich wird unser Transporter immer langsamer und fängt zu rucken an- Sprit leer. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig in die Tankstelleneinfahrt, unser Fahrer dreht sich mit einem breiten Grinsen auf den Lippen um und meint nur „Oh, I forgot…“. So lernen wir schon zu Beginn unserer Reise die afrikanische Mentalität kennen. Hier herrscht die Devise „Pole, pole“ was so viel bedeutet wie „Nur ruhig, keinen Stress…“. Auf die Fahrweise kann man das jedoch nicht übertragen. Es herrscht hier Linksverkehr, aber tatsächlich fährt jeder dort, wo gerade frei ist (oder wo auch nicht frei ist). Autos fahren direkt auf uns zu, aber irgendwie reicht es doch immer noch, dass sich irgendwo eine kleine Lücke auftut, wo man sich einfädeln kann. Der Tachometer zeigt nie mehr als 80mph an, obwohl sich unsere Geschwindigkeit erhöht. So halten sie sich offiziell an die Geschwindigkeitsbegrenzung und erreichen trotzdem schnell ihr Ziel. Der Begriff Spurrillen bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Die sind zum Teil so tief, dass man sie bei Regen als Badewanne benutzen könnte. Echt unglaublich, da kann man aufgrund der Tiefe nicht die Fahrseite wechseln, ohne Gefahr zu laufen, einen Achsbruch zu erleiden.

Wir sind nicht alleine unterwegs, nach Rücksprache mit unserem Trainer Sascha Wingenfeld haben wir uns der Traininingsgruppe von Wolfgang Heinig angeschlossen, mit der wir bereits im Herbst in Tenero/Schweiz mit viel Spaß zusammen trainiert haben. Zu der Gruppe gehören Katharina Heinig, Gesa Krause, Nico Sonnenberg, Clemens Kammer und Benjamin Stalf. Für sie ist es bereits der zweite Keniaaufenthalt, für uns jedoch Premiere und wir sind sehr gespannt, was uns erwarten wird.

Quartier beziehen wir im Kerio View Hotel Iten, wo der Name Programm ist. Jeden Morgen wachen wir auf und können den Ausblick über die Ostafrikanische Tiefebene genießen. Geweckt werden wir von einem Pfeifkonzert verschiedener Vogelarten, wozu sich manchmal Affen gesellen, die das Ensemble komplettieren. Dann geht es los zur ersten Trainingseinheit, bei der wir die morgendlichen Sonnenstrahlen genießen und uns schon auf das leckere Frühstück mit frisch gepressten Passionfruit-Saft freuen. Für die meisten Kenianer beginnt schon um halb sieben, eine halbe Stunde vor uns die erste Trainingseinheit. Ein Rätsel für uns bleibt, warum die kenianischen Athleten fast ausschließlich in langer Hose und Trainingsjacke laufen, selbst wenn das Thermometer bereits die 20° überschritten hat. Selten sind einzelne Läufer zu sehen, meistens trifft man sie in großen Gruppen an, die sich jedoch zum Teil weit auseinander ziehen, da hintenheraus fast immer das Tempo angezogen wird.

Für uns ist es jedes Mal ein Ereignis, wenn wir einen kenianischen Läufer überholen. Sobald wir sehen, dass jemand von ihnen völlig platt ist, läuft es sich für uns leichter und wir ziehen vorbei. Schließlich bietet sich die Gelegenheit nicht allzu oft, und man muss ja schon einmal üben. Zugegeben, meistens ist es noch umgekehrt, und sie schweben federleicht an uns vorbei, aber das entmutigt nicht sondern spornt noch mehr an…

Nach Akklimatisierung, Anpassung und lockeren Läufen geht es am vierten Tag für uns das erste Mal auf die Bahn. Von europäischen Standards sollte man sich im Denken verabschieden. Tartan? Fehlanzeige. Selbst mit der Rundenlänge war man hier großzügig, statt der üblichen 400m kommt man hier auf 408m pro Runde. Trotzdem oder gerade deswegen ist das Feeling hier einmalig. Man trainiert nicht nur zeitgleich mit den besten Läufern der Welt wie dem amtierenden Junioren Cross-Weltmeister Geoffrey Kamworor, sondern man teilt sich die Bahn auch mit Schafen und Kühen, die die Raseninnenfläche zum Weiden nutzen.


An einem anderen Tag auf der Bahn, wir sind gerade dabei uns aufzuwärmen, hören wir plötzlich einen Pfiff. Sogleich sammeln sich ca. 30 kenianische Läufer an der imaginären Startlinie und nach einem weiteren Pfiff geht die Post ab. Innerhalb weniger Sekunden laufen sie wie an einer Perlenkette aufgereiht. Nun geht bei uns das Wetten los, über welche Streckenlänge ihr Intervall wohl gehen werde. Nach dem horrenden Anfangstempo vermuten die meisten von uns 400m, doch sie absolvieren die erste Runde ohne ans Aufhören zu denken. Nach 2,5 Runden ist auch die optimistischste Schätzung von uns passé. 2000m dauert letztlich das erste Intervall der Läufer, wir sind beeindruckt und hochmotiviert, unser Tempoprogramm zu starten.

Vom ersten bis zum letzen Kilometer eines jeden Dauerlaufs wird man hier von der Frage „How are you?“ begleitet. Mittlerweile vermuten wir ja, dass dies der erste Satz ist, den die kleinen Kinder hier lernen. Freundlich wie wir sind, antworten wir stets mit „fine“. Auch wenn es bei den Tempodauerläufen manchmal schwer fällt, und es uns da so „fine“ vielleicht gar nicht mehr geht. Aber das ist immerhin kürzer, als „Oh, at the moment we are not so fine because of the heat and the hills. But thanks for asking.”


Zu Hause laufen wir zwar selten alleine, da wir fast immer zu zweit sind, jedoch macht es in der Trainingsgruppe noch einmal mehr Spaß. Vergrößert wird diese bei Dauerläufen für einzelne Kilometerabschnitte von jungen Kenianern, die sich uns anschließen und ganz fasziniert von uns weißen Läufern, den Muzungus, sind. Meistens sind sie auf dem Weg von der Schule nach Hause, und tragen somit noch ihre Schulkleidung. Dann verabschieden sie sich plötzlich, und unsere ursprüngliche Laufgruppe ist wieder hergestellt.

Trotz dreiwöchigem Aufenthalt gehen wir noch nicht als Kenianerinnen durch, auch wenn wir bräuner und schneller geworden sind. Das liegt zum einen am herrlichen Sonnenschein, zum anderen jedoch auch an der für Kenia typischen rotbraunen Erde, die sich bei jeder Trainingseinheit an unsere Haut und Kleider heftet. Wir haben uns in das Land, die Leute, und das Essen hier verliebt und wollen nächstes Jahr zurückkehren, nach Kenia, dem Land der Läufer und der Wiege der Menschheit.

 

 


13. Bottwartal Marathon
Swiss City Marathon Luzern