DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung
10. Bad Waldseer Lauffieber

4. 6 Stundenlauf Kleinkarlbach

[eingestellt am 04. Oktober 2011]

Von: Martin Rudolph

Fotos: Peter Gründling, Jens Lukas

Abkühlung tat not

(Ultra)Marathonsammler Dieter Ehrenberger

So ein paar Gehschritte sind mal ganz erholsam

In Kleinkarlbach immer Seite an Seite: Ulrike Trostmann und Andrea Hertinger

Blick vom oberen Weg im Weinberg nach unten (der rote Punkt ist der Sonnenschirm von Daniel Schwitter)

Blick in den Dunst der Rheinebene

Marion Potschka Herrmann (rechts) und älteste Teilnehmerin Renate Cöllen

Evi Weis aus dem nahen Deidesheim läuft für den Rennsteiglaufverein

Das Rundenzählerteam: Eric Tuerlings, Maya Lukas, Anke und Uli Pfeuffer (v.l.n.r.)

Streckenidylle

Bunters Läufertreiben am Eckbachmühlenweg

Fast schn mediterranes Ambiente

Melanie Strass stürmt bergab

Pretty in pink: Elke Bernsdorf und Esther Miess

Marathonsammler Horst Preisler

Im Sturmschritt bergab: Walter Zimmermann

Daniela Lang (Mitte) und ihr Team versorgten die hungrigen Läufermäuler nach dem Lauf

Gerhard Dahmen aus München lief 6 Stunden in Zehenschuhen

Lea Schrod kam mit Vater Thomas

Sieger Daniel Schwitter

Lidia Rühl hatte noch Zeit, zu fotografieren

Dritter Thomas Herget

Zweiter Klaus Bensching

Schön die Startnummer nach vorne rücken für die Rundenzähler

Zweite Sabine Gros

Jüngster Teilnehmer: Seamus Müller

Wurde mit einem Meter Vorsprung Dritte: Iris Eschelbach

Siegerin Steffi Krieg

Hatten 6 h und 48,843 km lang gemeinsam Laufspaß: Sonja Beidl und koachim Kortyka

Jüngste Teilnehmerin Sara Kortyka

Die Metamorphose des Weinberges

Kleinkarlbach, 3.10.2011 – Seit 2008 organisiert der Lauftreff Weisenheim am Berg in der Nachbargemeinde Kleinkarlbach, 10km nördlich von Bad Dürkheim gelegen, einen 6h Lauf, der bisher jedes Jahr mit sonnigem Wetter umrahmt wurde. 2011 war es nicht nur sonnig, sondern das Thermometer kletterte auf hochsommerliche Temperaturen. Der vermessene Rundkurs weist eine Streckenlänge von 2.493m und 40 Höhenmeter auf. Die Höhenmeter addieren sich je nach gelaufener Rundenanzahl damit auf über 1.000. 

So ein 6h Lauf ist anders wie andere Läufe – in vielerlei Hinsicht. 

Man läuft an der Startlinie los. So weit so gut. Aber es gibt kein Ziel. Nach 6h – es sei man streicht vorher die Segel- bleibt man stehen und legt ein Fähnchen mit Startnummer an diesem Punkt nieder und der Restmetervermesser notiert die gelaufenen Meter der angebrochenen, letzten Runde. Der Sieger und der vermeintlich letzte Teilnehmer haben dieselbe Laufzeit – 6h. Das Merkmal für die Plazierungen ist also nicht die Zeit, sondern die gelaufene Strecke. 

Dabei ist Kleinkarlbach zwar bestenlistenfähig, aber nicht unbedingt für Bestmarken geeignet. Dies liegt an der anspruchsvollen Topographie. Denn die 40 Höhenmeter je Runde verteilen sich nicht gleichmäßig. Es gilt eine scharfe Rampe im Weinberg nach oben zu überwinden und eine 16% Gefällstrecke nach unten führt einen wieder Richtung Startlinie. Dort können sich die Teilnehmer Runde für Runde auf eine üppige Verpflegungsstation freuen. Gefühlt handelt es sich um eine 6h lange Metamorphose des Weinberges, der scheinbar von Runde zu Runde länger, höher und steiler wird. Allerdings wird man mit einer herrlichen Sicht über das Leiniger Land belohnt. Das im Dunst liegende Mannheim taucht erst nach Stunden auf und leider ist der Blick in den Odenwald und nach Heidelberg den ganzen Tag eingetrübt.

Das auf 70 Teilnehmer beschränkte Feld war ausgesprochen illuster. 

Der 76jährige Horst Preisler (LAV Hamburg Nord) absolvierte in der Pfalz mit 43,874km seinen 1.750 Marathon (oder mehr). Er ist seit Jahren inoffizieller „Weltrekordinhaber“ in der Liste der Marathonsammler. 

Der 16jährige Seamus Müller aus Leipzig lief das erste Mal überhaupt in einem Wettkampf mehr als 21km. Dabei weist er als Triathlet eine 10km Bestzeit von 36min auf. Am Ende standen beachtliche 59,401km zu Buche, die ihm den 10. Platz in der Männerwertung bescherte. Das Lauftalent liegt in der Familie. Seine Mutter lief am 1. Oktoberwochenende den 246km langen Spartathlon von Athen nach Sparta und wurde 5. Gesamtfrau.

Mit 8 Teilnehmern vom LT Hemsbach und 6 Teilnehmern der LG DUV stellten 2 Vereine 20% der Teilnehmer. Darüber hinaus nutzten zahlreiche streakrunner das fröhliche Rundendrehen für einen Laufausflug in die Pfalz.

Das Rennen im Männerfeld war ausgesprochen spannend. Zu Beginn setzte sich in einem Höllentempo der 42jährige Daniel Schwitter vom LSV Basel an die Spitze des Feldes. Nach knapp über 42min passierte er die 10km Marke – hier hatte er bereits 160 Höhenmeter in den Beinen. Seine Lauftaktik sah vor, aufgrund der relativ gemäßigten Temperaturen zu Beginn bereits viel Strecke in den ersten 2h zu machen. Vor einem Jahr in Troisdorf wurde er mit 73.376km 10. der Gesamtwertung. Dicht auf seine Fersen waren der Organisator des Churfranken Trail Laufes vom 25.09., Marco Schneider, sowie Thomas Herget von der LG Fulda. Thomas Herget nahm eine Woche zuvor am besagten Churfranken Lauf (73,8km und 1.800 HM) teil und belegte dort Platz 3 mit 6:48:22. Er kam erst Anfang der Woche über die Warteliste zu seinem Startplatz in Kleinkarlbach und der Lauf am Main steckte sicherlich noch in den Beinen. Nach ca. 1h übernahm Marco Schneider die Führung und er behielt diese bis zur Halbzeit. Die zunehmende Hitze und das rasante Tempo zehrten an seinen Kräften und er stieg, zusätzlich mit Hüftproblemen kämpfend, mit 39,888km nach ca. 3h aus dem Rennen aus. Jetzt lag wieder Daniel Schwitter in Führung und Thomas Herget mit einer Bestmarke über 6h von 80,978km (2009 in Troisdorf) konnte nicht mehr folgen. Hinter Thomas Herget spulte Klaus Bensching vom TVE Weiher beeindruckend konstant seine Kilometer runter und kam Herget immer näher. Bei der letzten Überquerung der Startlinie hatte er nur noch einen Rückstand von 1:07min. Am Weinberg drehte er nochmals auf und so erlief sich Klaus Bensching mit 68,057km den 2. Platz vor Thomas Herget mit 67,859km. Somit stehen die 72,665km von Bertram Wagenblatt aus dem Premierejahr 2008 weiterhin als Bestmarke in den Annalen des LT WaB. Bis zur Halbzeit dachten viele, daß sicherlich 3 Läufer diese knacken würden, aber 6h bei erbarmungslosem Sonnenschein in den Weinbergen sind lang. 

In der Frauenwertung lief Stefanie Krieg von der LG MuLi mit 60,209km einen ungefährdetem 1. Platz nach Hause. Auf Platz 2 folge mit 56,501km Sabine Gros. Eigentlich wollte sie nach der Marathonmarke aussteigen, doch die gute Platzierung beflügelte sie und so spulte Sabine Gros noch einige Runden ab. Kleinkarlbach war ihr 40. Marathon (und mehr). Über den 3. Platz freute sich Iris Eschelbach von der LG DUV mit 53,897km. 

Neben Mitgliedern des LT Wab wurde das Organisationsteam rund um Gabi und Peter Gründling von Maya Lukas (LSG Karlsruhe und mit ihrem Mann Jens verantwortlich für den dortigen DUV Förderstützpunkt) sowie von Eric Tuerlings (Organisator des Keufelskopf Ultra-Trail) am Rundenzähltisch unterstützt. 

Da ein 6 h Lauf für alle gleich lang ist, konnten ab 17:00 im Gemeindehaus von Kleinkarlbach bei einem Nudelbuffet alle Teilnehmer ohne Wartezeit den Lauf ausklingen lassen. Nachdem das „Rechenzentrum“ die Auswertung abgeschlossen hatte, folgte die Siegerehrung. Außerdem erhielt jeder Teilnehmer noch ein Tombolageschenk. 

(Anmerkung der Redaktion: Die dem Kleinkarlbacher 6 h-Lauf eigene Paarwertung gewann übrigens Autor Martin Rudolph mit seiner Lebensgefährtin Petra Marton mit nur 326 m Vorsprung vor Bernhard & Andrea Hertinger)

Ergebnisse und weitere Fotos: www.lt-wab.de

 


Bottwartal-Marathon