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4. Thüringen-Ultra

[eingestellt am 05. Juli 2010]

Von: Gabi Gründling

Fotos: Gabi & Peter Gründling

Siegerin 100 km Elke Musial

Siegerin 75 km ‘Brigitte Rodenbeck

Sieger 100 km Frank Hardenack

Sieger 75 km Thomas Braukmann

Sieger 2x 50 km Mixed: Jörg und Silke Stutzke

Motivation made bey Horst K.

Der Besenradler bei der Arbeit

Impression Thüringen

Den großen Inselsberg im Visier

So nah kommt man zu Fuß aber nicht an die Schanze ran

Morgens um kurz nach 3 Uhr ist die Frühstückswelt in Ordnung

Letzte Vorbereitungen

… und los geht’s… die 100 km-Läufer starten noch im Dunkeln

Schwedenfeuer zum Abschied

Fred Dell erreicht km 25 als Erster, wird am Ende Vierter über 100 km

Zweiter 100 km Ronald Gasch

Die 75er starten in die restliche Morgendämmerung

Dritter 75 km Thomas Herget

Zweiter 75 km Rainer Koch

1. M45 75 km Frank Jaeger beim Nachtanken

1. M50 75 km Andreas Dräger

1.M55 75 km Nikolaos Adam

Dritter 100 km Rainer Leyendecker, dahinter 1. M20 Michael Hempel

Dritte 75 km Cornelia Bullig

3. M3ß 100 km: der Finne Manu Kauppila

75 km: 2. M60 Thomas Schrod und 1. W40 Carola Bergelt

Antje Müller, führte ca. 60 km lang das 100 km-Frauenfeld an

100 km: 2. M45 Martin Feigel

Dritte 100 km Heike Bergmann

Oberstes Gebot bei über 30 Grad: viel trinken!

Eine staubige Angelegenheit

“Chef” des 100 MC Peter Genz

Roland Blumensaat (links, 2. M50) führte Anton Luber über die 75 km

André Dreilich, neuer Veranstaltungsleiter des Leipziger 100ers

100 km-Läufer Thomas Sacher (68), 75 km-Läufer Michael Seever (1. M60/749) und Zweier-Staffelläufer Jochen von der LG Friedrichsroda

Jedes Jahr dabei: Bärbel und Thomas Fischer

Mehr als nur Ansager: Horst Reinhardt

Martin Woytinek lässt sich von seinen Kids ins Ziel begleiten

Ralf Lützner freut sich über seinen Zieleinlauf

Dritte 100 km Heike Bergmann

Emotion pur

Abkühlung tut gut

Für den Zieleinlauf muß Mann sich noch fotofein machen

Kaaaaa-putt!

Mahlsdorfer Wiesel Annette Bethge zu Halbzeit

Deutschland Dein Schilderwald

Idylle am Streckenrand

Vorsicht Gegenverkehr

Fotosession mit Zuschauerbeteiligung

Begehrt: Wasserwannen

Ebenfalls begehrt: Die Sanitruppe

Legendär: Die V-Stelle bei km 95

Rock’n Roll statt Schlagerparty

Fröttstädt, 03. Juli 2010 – Der vollständige Satz zur Überschrift lautet so: “Wir sind hier beim Thüringen-Ultra. Das ist Rock’n Roll und keine Schlagerparty”. Zum Besten gegeben hat ihn Horst Reinhardt, der in Fröttstädt Herr des Mikrophons war. Athletenbriefing, Startmoderation, Zielmoderation, Siegerehrung – er sagte, was gesagt werden mußte und noch viel mehr. Mit der zitierten Aussage forderte er das umsitzende Publikum beim Zieleinlauf auf, die ankommenden LäuferInnen doch bitte etwas frenetischer willkommen zu heißen. 

Aber vor den Zieleinlauf mit launigen Sprüchen hatten die Laufgötter an diesem Wochenende einen erhöhten Anstrengungsgrad eingebaut. Nicht, daß 100 km mit 2.150 Höhenmetern nicht immer anstrengend wären – bei bis zu 38 Grad im Schatten ist so ein Lauf erst recht kein Zuckerschlecken. Wohl dem, der einigermaßen hitzebeständig ist. 

Das übliche Angebot beläuft sich in Fröttstädt auf eine große 100 km-Runde, die man entweder alleine, zu zweit oder zu viert laufen kann. In diesem Jahr kam, der Dt. Ultramarathonvereinigung zuliebe, noch ein 75 km-Lauf mit ins Programm, der beim ersten Wechsel der Viererstaffeln gestartet wurde. Das waren dann die Deutschen Meisterschaften im Cross- und Landschaftslauf. 2011 wird es diese Ultravariante in Thüringen nicht mehr geben, sie war eine einmalige Sache. 

Logistisch war das Ganze ausgeklügelt. Bei einem Zielschluß von 18 Stunden wurden 212 100 km-Läufer morgens um 4 Uhr mit dem Bolero von Ravel und einem Minifeuerwerk auf die Strecke geschickt. Da war es noch einigermaßen dunkel, die ersten Meter wurden von Schwedenfeuern erhellt, die Streckenmarkierungsschilder der ersten 10 km waren zusätzlich mit blinkenden Katzenaugen versehen, damit sich niemand verlaufen konnte. Eine Stunde später hieß es dann “Ring frei” für die insgesamt 55 Staffeln, 21 davon über die Ultradistanz von 2 x 50 km. Bei einem Landschaftslauf versteht sich von selbst, daß die Distanzen für eine Staffel nicht exakt 4x 25 oder 2x 50 km sein können, man muß die Verpflegungs- und Wechselstellen so legen, wie die Logistik vorhanden ist. So variierten die Streckenlängen für die “Kurzstreckenstaffler” zwische 23 und 27 km, die Ultrastaffeln teilten sich in 51 km für den Start- und 49 km für den Schlußläufer. Start zu laufen hat zwar den Nachteil, zu nachtschlafender Zeit loslaufen zu müssen, aber den unschlagbaren Vorteil, die morgendlich niederigeren Temperaturen mitnehmen zu können. 

Um 5.15 Uhr wurden die 48 Meisterschaftsläufer in einen Bus geladen und an die Ruhlaer Skihütte zum Wechselpunkt 1 für die 4er-Staffeln gekarrt, der gleichzeitig die dritte von insgesamt 16 offiziellen Verpflegungsstellen war. Von dort wurden sie dann um 6 Uhr auf die Piste geschickt – die ersten beiden 100 km-Läufer waren gerade durch, als die 75er starteten. Fred Dell vom M&H Rennsteigteam, das er zusammen mit den beiden Steuerberatern Ulrich Meininger und Holger Sakuth bildete, kam vor Frank Hardenack an der Skihütte durch.

Daß die DUV-Meisterschaft nicht mehr Zuspruch fand, lag wohl daran, daß beim Thüringen-Ultra Sterne Kult sind. Wie auch bei der Frankreich-Durchquerung “Trans Gaule” bekommt jeder Teilnehmer für jede erfolgreiche Teilnahme einen Stern – und die ganze Sternsammlung prangt dann weithin leuchtend auf der Vorderseite des Finishershirts, das, genau wie eine Medaille, die Henkerspasta, ein Zielbier und eine Zielsuppe in den je nach Anmeldezeitpunkt 35 – 45 € Startgeld enthalten ist. Viele Thüringer Wiederholungstäter wollten sich diesen Stern nicht entgehen lassen und starteten deshalb trotz des Meisterschaftsangebots auch in diesem Jahr wieder beim 100er. Eins der in diesem Jahr royalblauen Funktionsshirts erliefen sich auch die 75 km-Läufer, natürlich mit ihrer Streckenlänge versehen und dort, wo bei “den anderen” die Sterne prangen, ist das DUV-Logo aufgedruckt. Das Orgateam des “Lauffeuer des Feuerwehrvereins Fröttstädt” um Cheforganisator Gunter Rothe hatte an alles gedacht.  

Der Thüringen-Ultra gewinnt jährlich mehr Fans. Waren 2009 mit 153 Läufern schon mehr am Start als in den Vorjahren, so erhöhten sie die Teilnehmerzahlen in diesem Jahr nochmals. Dabei hat die kleine Gemeinde im Landkreis Gotha selbst nur 403 Einwohner (Stand 31.12.2009). Mit BegeiterInnen der Läufer verdoppelte sich diese Zahl am Wochenende also locker. Logistisch kann so eine Veranstaltung schon deshalb in so einem kleinen “Nest” nur gestemmt werden, weil es das Dorfgemeinschaftshaus gibt. Umgeben von großen Wiesenflächen liegt es am Dorfrand. Es bietet zwar keine Duschgelegenheiten (für die wurde ein Container angemietet), dafür aber eine Küche, einen Raum für die Startnummernausgabe, der am Wettkampftag dann zur Kuchentheke umfunktioniert wurde, einen Extraraum mit Bierzapfanlage und Kühlschränken für den Getränkeverkauf und jede Menge Platz, teils überdacht, teils nicht. Die Wiesen können zum Camping genutzt werden, wovon viele Läufer Gebrauch machten. Die weit überwiegende Zahl derer, die sich fürs Massenquartier in der Turnhalle im Nachbarort Hörselgau angemeldet hatten, entschieden sich aufgrund der hohen Temperaturen kurzfristig, vor Ort einfach unter freiem Himmel zu schlafen. Was zwar den nötigen Shuttledienst auf ein Minimum reduzierte, aber das für die Turnhalle organisierte Frühstück sinnlos werden ließ.

 

Die Strecke führt quer durch den Thüringer Wald, der große Inselsberg wird berührt, aber nicht erklommen. Einige Streckenteile erkennen passionierte Rennsteigläufer wieder – notfalls sind sie aber natürlich auch an der Rennsteig-Wandermarkierung auszumachen. Die ersten Kilometer “out of Fröttstädt” verlaufen durch freies Feld, danach taucht man in den schattenspendenden Wald ein, den man, wenn überhaupt, bis km 84 immer nur mal kurzfristig verlässt. Ab dann wird’s unangenehm, denn der Rest der Strecke liegt in der Sonne. Der Untergrund besteht überwiegend aus Waldwegen, die aber, auch zum Verdruß der Thüringer Läufer selbst, inzwischen vielfach geschottert sind. Die vielen Privatwaldbesitzer machen es sich damit recht einfach. 5 km vor der achten Verpflegungsstelle bei km 51 in Floh-Seligenthal biegt man auf eine alte Bahntrasse ein, die durchgehend asphaltiert ist – eine schöne Inliner- und Radstrecke. Für die Läufer geht es hier 5 km immer sanft bergab, theoretisch kann man es einfach rollen lassen. Praktisch sollte man natürlich mit seinen Kräften haushalten, denn hier ist erst die Hälfte der Strecke geschafft. Auf der Bahntrasse laufend, kann man sich richtig vorstellen, daß hier früher mal die Dampflok durchrauschte, man fühlt sich fast in eine andere Zeit zurück versetzt. Der zu durchlaufende Tunnel trägt noch sein Übriges dazu bei, diesen Streckenabschnitt als besonders reizvoll in Erinnerung zu behalten. 

Legendär ist die Verpflegungsstelle bei km 95, denn hier wird man nicht nur, wie an den anderen Staffelwechselstellen auch, von einem Streckensprecher begrüßt sondern auch noch von Cheerleadern angeheizt. In diesem Jahr kam ab 16 Uhr noch eine Leinwand mit der Liveübertragung des Viertelfinalspiels Deutschland-Argentinien hinzu. Berühmt-berüchtigt ist auch das Örtchen Cabarz, in dem die Einwohner besonders um die vorbeilaufenden Sportler bemüht sind. Dort zieht sich eine ganze Schlange von Wasserwannen, Läuferduschen und privaten Versorgunsstellen durch die Straßen. Eine Cabazerin hatte sogar Tee in Porzellankannen für die Läufer an die Straße gestellt. Leider war das Dörfchen aber in diesem Jahr ab 16 Uhr König Fußball geschuldet menschenleer. Allerdings kamen die netten Menschen von Cabarz schon immer wieder mal raus, um zu gucken, ob noch genug Wasser vorhanden ist. 

Die Streckenrekordhalter von Fröttstädt waren in diesem Jahr nicht am Start. Elke Streicher, die das Debut 2007 in 10:00:07 h gewann lebt derzeit gar nicht in Deutschland und der in Erfurt lebende Matthew Lynas, 2009 nach 8:09:36 h im Ziel, mußte verletzt passen. 

Mit Jörg Kupfer (2007) und Frank Hardenack (2008) waren aber die übrigen bisherigen Sieger am Start. Bei den Frauen fand man von der bisherigen Siegerinnenliste nur Annett Bahlcke im Starterfeld wieder, die 2009 hier gewinnen konnte. Sie wollte aber ursprünglich gar nicht laufen, ließ sich nur vom vierten Stern locken und griff gar nicht nach dem obersten Podestplatz. Sie erreichte das Ziel als Achte nach 12:11:40 h. 

So war bei den Frauen der Weg frei für einen neuen Eintrag in die Siegerliste. Dort trug sich in diesem Jahr Elke Musial (LG Taucha) ein, die nach 10:18:40 h wieder zum Fröttstädter Dorfgemeinschaftshaus zurück kam. Die 42jährige hatte bisher nur einen Eintrag in der Statistikdatenbank der DUV. Beim Leipziger Auenseelauf belegte sie 2009 über 50 km den zweiten Platz mit 4:04:23 h. 

Etwas länger ist die Statistik von Antje Müller (LC Auensee Leipzig, 10:29:12 h), die aber auch erst 2009 beim Rennsteiglauf mit dem Ultralaufen anfing und es nun schon auf 10 Ultras bringt. Allerdings war auch sie bereits zum vierten Mal in Fröttstädt – bisher 2x in der Viererstaffel und 2009 in der Zweierstaffel, was Ultra Nummer 11 bedeutet. Bis jenseits der 60 km-Marke wurde sie vom Führungsradler begleitet, bis sie ihn an Elke Musial abgeben mußte. Fröttstädt ist ein gutes Pflaster für die sommersprossige Leipzigerin, denn im März konnte sie hier mit 114,941 km den einmalig ausgetragenen 12-Stundenlauf gewinnen. Ihr Lebensgefährte Thomas Frunzke, den sie zwei Wochen zuvor bei der 24 h-DM in Rockenhausen betreut hatte, holte sich nach 14:01:32 h seinen vierten Stern ab. 

Dritte wurde mit Heike Bergmann (TSV Zeulenroda, 10:48:42 h) ebenfalls eine Läuferin aus den neuen Bundesländern. Als Pendant zu Antje Müller gewann sie im März den Fröttstädter 6-Stundenlauf mit 63,436 km. Beim Thüringen-Ultra war sie zum ersten Mal über 100 km am Start, aber den Rennsteiglauf hat sie bereits vier Mal absolviert, er war auch im Mai 2007 ihr erster Ultramarathon. 

Bei den Männern hatte am Ende Frank Hardenack (Neuenklusheim) die Nase vorn. Mit 8:36:39 h war er trotz der Hitze sogar acht Minuten schneller als bei seinem Sieg vor zwei Jahren. Seine Ultrastatistik ist eindrucksvoll. Von 16 Einträgen steht hinter nicht weniger als sieben “Platz 1”. 6x erreichte er die Treppchenplätze 2 und 3, 2x wurde er Fünfter und bei seinem Ultradebut, dem Röntgenlauf 2005, Neunter.

Auch Ronald Gasch (Chemnitzer LV Megware), der das Ziel nach 9:03:26 h als Zweiter erreichte, ist kein unbeschriebenes Ultrablatt mehr. 2009 lief er in sechs Stunden gleich zwei Mal mehr als 80 km und belegte damit die Plätze 2 und 7 der deutschen Jahresbestenliste. 

Ein Senkrechtstarter in der M50 belegte nur gut 2 Minuten hinter Gasch Rand 3. Rainer Leyendecker (RSLC Holzkirchen), der 2011 schon in den M55 wechselt, hat erst im Mai 2009 mit dem Ultralaufen begonnen, seitdem war er 11x länger als Marathon unterwegs. Noch vor Wochenfrist wurde er im österreichischen Grieskirchen mit über 130 km Zweiter beim dortigen 12-Stundenlauf und wollte es an diesem Wochenende in Thüringen schon wieder wissen. 

Vierter wurde mit dem Eisenacher Fred Dell der Zweite des Vorjahres. Er war das Rennen beherzt angegangen, mußte sich aber nach der Hälfte der Strecke schon Blasen aufschneiden und verkleben lassen. So wurde er am Ende “nur” Vierter, behauptete aber aus dem Vorjahr seinen inoffiziellen Titel als bester Thüringer. Fred Dell läuft für das M&H Rennsteigteam, einem 1999 von Michael Pflügner und Holger Sakuth gegründeten Laufteam, das jedes Jahr am Rennsteig-Staffellauf teilnimmt – als eines von nur sechs Teams, die bisher an allen Staffelläufen teilgenommen haben. Da die Staffelbesetzung bei den in neonorange laufenden M&Hs nur dann wechselt, wenn ein Vorjahresläufer passen muß, gehörte Fred Dell nach einer Verletzungspause auch als “Speedster” des Teams nicht immer automatisch dazu. Auch die beiden Namensgeber des Teams bewältigten an diesem Wochenende die 100 km in 13:15 h – Holger als Läufer und Michael als sein Radbegleiter.

 

 

hier läuft der Chef selbst: Gunter Rothe beim Zieleinlauf nach 12:52:02 h

Die schnellste Zweierstaffel war nur fünf Minuten schneller als Frank Hardenack, die Wuhltalläufer erreichten Fröttstädt nach 8:31:52 h. Die Viererstaffelsieger waren naturgemäß doch deutlich schneller, das Laufteam “Town und Country HAUS” brauchte 7:15:05 h, war damit aber auch fast eine Stunde schneller als “Der flotte Vierer”. 

Wenn auch die Quantität der DUV-Meisterschaftsläufer etwas enttäuscht – über die Qualität kann man nicht  meckern. Es waren einige Läufer am Start, die auch über die 100 km vorne ein Wörtchen hätten mitreden können. Der drittschnellste “Kurzultra”, Thomas Herget, war 2009 auch schon Dritter auf der 100 km-Runde. 

Am schnellsten erreichte nach 5:46:25 h mit Thomas Braukmann der Sieger des Rennsteiglaufs 2006 das Ziel. Damals war er über die klassiche Thüringer Strecke, die knapp 3 km kürzer und auch etwas flacher ist, nur 20 min schneller und so freute er sich nicht nur über seine Fröttstädter Zeit sondern war auch noch positiv überrascht, wie gut es gelaufen ist. Zumal er die Strecke als wesentlich schwerer empfindet als den Rennsteiglauf. Auf den letzten 10 km hatte er zudem noch mit seiner Oberschenkelmuskulatur zu kämpfen. Für den Wenigstarter war die Meisterschaft der erste größere Wettkampf in diesem Jahr. Nach einer Erholungspause wird er in die Marathonvorbereitung für den Frankfurt-Marathon einsteigen. Dort möchte er nach Möglichkeit wieder mal unter 2:30 h laufen. Seine persönliche Bestzeit resultiert noch aus 2001 und liegt bei 2:25 h. Sein für Fröttstädt anvisiertes Ziel, einen Podestplatz, hat er also mit Bravour erreicht. Zusammen mit seinen Mannschaftskollegen Manuel Tuna und Andreas Dräger von der TSG Helberhausen wurde er noch Mannschafts-Vizemeister hinter der LG Würzburg, die mit nicht weniger als sieben Läufern angereist war. 

Einer von ihnen: Transeuropalaufsieger Rainer Koch, der sich bereits vor zwei Wochen in Rockenhausen auf Fröttstädt freute. Landschaftsläufe sind deutlich mehr sein Ding als flaches Rundendrehen. Er brauchte 6:04:54 h, um sich Platz 2 zu sichern und damit den Mannschaftstitel für die LG einzuläuten. Gerald Lehrieder kam hinter Thomas Herget aus dem fast schon um die Ecke gelegenen Fulda als Vierter ins Ziel, Matthias Schmitt vervollständigte die Mannschaft als Gesamt-6. Herget war 6:13:56 h unterwegs – blieb aber auch noch bis zum Sonntagvormittag in Thüringen, weil er die Nach-Lauf-Atmosphäre und das sonntägliche gemeinsame Frühstück auch mal mit genießen wollte. 

Brigitte Rodenbeck (LG Braunschweig) läuft schon in der W55 – und lief in Thüringen mit 7:32:47 h  der jüngeren Konkurrenz auf und davon. Ihre Ultralauferfahrung reicht schon mindestens 14 Jahre zurück, aber zum ersten Mal konnte sie strahlend das oberste Treppchen erklimmen. “Das war mein Wetter” meinte die Sportlerin, die mindestens einen 100er im Jahr absolviert, sich in Fröttstädt aber für die 75 km entschied, weil hier die DM ausgetragen wurde. Auch sie empfand den Thüringen-Ultra als anstrengender als den Rennsteiglauf, der für sie aufgrund des Profils besser zu kalkulieren ist. In den letzten Jahren war sie immer bei den Deutschen 100 km-Meisterschaften am Start, ob sie dieses Jahr in Leipzig starten wird, weiß sie noch nicht. Dort debutierte sie seinerzeit auf der 100 km-Strecke. Ab und zu läuft sie auch mal Marathon oder Halbmarathon, aber eigentlich immer nur als Vorbereitung auf ihre Ultramarathons. 

Apropos Leipzig: seit 2009 gibt es einen 100 km-Cup, der sich aus dem Thüringen-Ultra und dem Leipziger 100er zusammensetzt. Sicher wird man also viele Gesichter aus Fröttstädt Mitte August am Auensee wiedersehen. 

Petra Wurster (LAV Asics Tübingen) erklomm nach 8:17:52 h Treppchen Nummer 2 und Cornelia Bullig (LG DUV), die sich in Fröttstädt u.a. auf den Ende Juli stattfindenden 48 h-Lauf in Kladno vorbereiten wollte, kam nach 8:38:50 h als Dritte ins Ziel. Weibliche Deutsche Mannschaftsmeister im Cross- und Landschaftslauf gibt es in diesem Jahr nicht, weil kein Verein drei Läuferinnen auf der Strecke hatte.

Mit 31 Ausfällen (inkl. einer Staffel) war die Zahl derer, die nicht ins Ziel kamen, zwar relativ hoch, aber bei der Hitze ist es natürlich vernünftiger, sich ein DNF einzufangen als auf Biegen und Brechen das Ziel zu erreichen. “Ich habe meiner Familie versprochen, gesund nach Hause zu kommen und werde daher aufhören, wenn nix mehr geht” meinte Lauftickerer Tilo Kramer schon vor dem Start – und hielt sich dann auch an sein Versprechen. Zwei LäuferInnen mußten von den Sanitätern ins Krankenhaus gebracht werden, viele mehr wurden vor Ort versorgt, weil ihnen nach dem Zieleinlauf der Kreislauf wegsackte. Alles in allem war die Ausfallquote für eine solche Strecke (Distanz und Profil) bei diesem hochsommerlichen Wetter aber sicher noch gering – ein Indiz dafür, daß die meisten sich sicher vernünftig auf diesen ansprucnsvollen Wettkampf vorbereitet hatten. 

Im kommenden Jahr wird es zum “kleinen Jubiläum” in Fröttstädt übrigens einmalig auch einen 100 Meilen-Lauf geben, der dann am Freitagnachmittag gestartet wird und sich dann nach 70 km in den normalen 100 km-Wettkampf eingliedert. 

Veranstaltungsseite: www.thueringen-ultra.de