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42. Nikolauslauf Tübingen

[eingestellt am 04. Dezember 2017]

By: Jochen Höschele

Fotos: Fabian Knisel (1-36), Nicole Benning und Jochen Höschele

Timo Göhler (links) und Jens Ziganke nach etwa acht Kilometern noch Seite an Seite

Eine größere Verfolgergruppe, angeführt von Markus Weiss-Latzko (159) und Lukas Müller (19; links daneben)

Die Siegerin des 42. Nikolauslaufes, Anaïs Sabrié (LAV Stadtwerke Tübingen), hier flankiert von Benjamin Schmid (31) und Tim Gersonde

Katrin Köngeter vertritt die Farben des Post-SV Tübingen bestens und läuft als Zweite durch das Ziel

Armin Härle (EK Schwaikheim) gewinnt die M60 in 1:30:31 h und hat sämtliche überflüssige Kleidungsstücke weggelassen

Dieter Schneider (LG Steinlach-Zollern) ist auch ein schneller M60er und wird heuer in Tübingen Dritter seiner Altersklasse in 1:37:59 h

Blick ins kunterbunte Tübinger Läuferfeld

Kälte ist subjektiv, nicht jeder braucht Mütze, Tuch und Handschuhe

Ein echter Winterlauf, garniert mit einer hauchdünnen Schneedecke am Rande der Laufstrecke (die bestens präpariert war), so präsentierte sich der Nikolauslauf anno 2017

Lena Gallistl und Florian Schweizer von den „Schlitten Schnitten“ und Abbas Tutcuoglu vom „Dönerdorado“ – der Nikolauslauf ist vielfältig, auch, was die Teamnamen angeht

So manchem Zuschauer war, man sieht es, auch ziemlich kalt (aber Klatschen sorgt bekanntlich für warme Hände)

Wer solche Fans hat, dem braucht nicht bange zu sein!

Die Ehefrau des Nikolauslauf-Projektleiters, Heike Knisel, hat sichtlich großen Spaß auf der Strecke

Den Läufern wurde kräftig der Marsch geblasen

Timo Göhler, nach 1:09:54 h Sieger des 42. Nikolauslaufes Tübingen

1:10:44 h werden für Jens Ziganke gestoppt, was nach zwei Siegen 2016 und 2015 heuer den zweiten Rang bedeutet

Peter Obenauer ist der erste im Trikot der LAV Stadtwerke Tübingen und kommt in 1:12:52 h auf den dritten Treppchenplatz

Mit Startnummer vier auf Platz vier: Daniel Noll (TSV Glems run2gether) ist nach 1:13:28 h im Ziel an der Waldhäuser Straße und ist Erster der M30

Ein Ex-Tübinger auf dem siebten Platz: Simon Friedrich, der mittlerweile das Trikot des TSV Straßberg trägt, ist in 1:14:44 h bei den Zielsprechern Gert Hänsel und Uli Böckle

Noch unter den Top Ten: Tim Lange (Intersport Räpple) wird in 1:15:28 h Neunter

Markus Weiss-Latzko wird vom Nikolaus höchstpersönlich ins Ziel begleitet und beschließt in 1:15:33 h die Top Ten als Zehnter

Anaïs Sabrié siegt beim 42. Tübinger Nikolauslauf in 1:21:06 h

Dritter Platz für Nora Kusterer (SV Oberkollbach) in 1:23:59 h

Als Fünfte erreicht Verena Andelfinger (Team „Go Run It“) das Ziel nach 1:25:27 h

Noch unter 100 Minuten bleibt diese Gruppe um Kerstin Harrer (links) und der W50-Dritten Elke Keller (558)

Die Zielsprecher Uli Böckle (links) und Gert Hänsel beherrschen ihr Metier aus Information und Unterhaltung von Sportlern und Zuschauern perfekt

Walter K. Johnen, M70-Sieger in 1:44:47 h von der LAV Stadtwerke Tübingen

Willi Schneider wird ins Ziel begleitet

Es geht los! Der erste Startblock um Vorjahressieger Jens Ziganke und Sieger 2017 Timo Göhler (links und rechts vom Nikolaus) stürmt die Waldhäuser Straße entlang in Richtung Schönbuch

Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister, gibt den Startschuß und schießt gleichzeitig noch Fotos mit dem Smartfon

Der Blick vom Sprecherturm hinunter auf das imposante Startfeld der beinahe 3000 Athleten, aufgeteilt in drei Blocks – hier der „blaue“ Block, der um 10:03 Uhr auf die Strecke geschickt wird

Berthold Nell vom Therme LT Böblingen ist nicht nur als Nikolaus verkleidet, er hat auch seinen Hund noch auf der Strecke dabei

OB Palmer, der den Startschuss zum 42. Nikolauslauf gab, und Projektleiter Gerold Knisel

Das Siegertrio der Männer: 3. Peter Obenauer, 1. Timo Göhler und 2. Jens Ziganke mit Orga-Chef Gerold Knisel

Und wie sie rannte – Siegerin Anaïs Sabrié (rechts) mit ihrem ganz persönlichen „Fanclub“

Startaufstellung, mit der Startnummer 99 die spätere Zweite Katrin Köngeter

Am tiefsten Punkt der Strecke nach etwa elf Kilometern ist die zweite Verpflegungsstelle aufgebaut

Nur eine hauchdünne Schneedecke im Wald, die Wege schnee- und eisfrei: Optimale, aber kalte Bedingungen herrschten beim 42. Nikolauslauf

Fast wie bei einer Bergankunft der „Tour de France“ geht es am Bettelweg zu, wo nach fast 15 Kilometern die letzten Reserven mobilisiert werden, unter lautstarker Anfeuerung der Zuschauer

Begegnungsstrecke und beliebter Platz für Zuschauer am Heuberger Tor

Die letzten Wellen in Richtung Ziel kurz vor Kilometer 18

Das Podium der Frauen bei der Pressekonferenz: 2. Katrin Köngeter, 3. Nora Kusterer und 1. Anaïs Sabrié

Die schnellsten Männer anlässlich der Pressekonferenz: 1. Timo Göhler, 2. Jens Ziganke und 3. Peter Obenauer

Übergabe des Spendenschecks durch Gerold Knisel und den Finanzchef des Nikolauslaufes Klaus Greif (Mitte) an den Förderverein Naturpark Schönbuch, mit dem schon im dritten Jahr eine offizielle Partnerschaft besteht

Und jährlich grüßt der Nikolaus

 

Tübingen, den 3. Dezember 2017 – Nikoläuse zuhauf, die gibt es alljährlich in der Tübinger Nordstadt zu bewundern, wenn der traditionelle Nikolauslauf in der Universitätsstadt ansteht. Veranstaltet wird dieses Ereignis gemeinsam vom Post-SV und der LAV Stadtwerke Tübingen unter der Gesamtleitung von Gerold Knisel. Frühzeitig, wie es auch schon jahrelang der Fall ist, waren die 3300 Startplätze vergeben und wer Ende September noch unschlüssig war oder sich nicht rechtzeitig um eine Nummer gekümmert hatte, dem blieb immer noch die Tauschbörse, auf der regelmäßig und ganz offiziell Startnummern erkrankter oder anderweitig verhinderter Sportler den Besitzer wechseln.

2726 waren es, die die Ziellinie nach absolvierten 21,1 Kilometern durch den Naturpark Schönbuch überquerten, was ganz nahe an die Rekordteilnehmerzahl aus dem Jahr 2015 heranreicht.

Wie im vergangenen Jahr lagen die Temperaturen auch heuer wieder knapp unter dem Gefrierpunkt, zusätzlich lag ein Hauch von Schnee im Wald und abseits der Strecke auf den Wiesen und Feldern. Die Strecke an sich war jedoch durch die emsigen Helfer, deren Zahl sich auf stattliche 250 summiert, bestens präpariert und an den wenigen rutschigen Stellen durch Splitt auch für Straßenlaufschuhe hervorragend geeignet.

Als ob es gleich auf den ersten Metern die Waldhäuser Straße entlang in Richtung Schönbuch um die Vergabe der Podestplätze ginge, stürmten die Favoriten davon. Allen voran der Sieger der Jahre 2015 und 2016, Jens Ziganke (SV Reichenau) und der „Heimkehrer“ Timo Göhler (Synovo), der dieses Mal für seinen Arbeitgeber startete und ab der kommenden Saison wieder ein „Blauer“ sein wird, also im Trikot der LAV Stadtwerke Tübingen Wettkämpfe bestreiten wird.

Darüber sind sie natürlich alle froh in Tübingen, denn so gewinnt die LAV zusätzliche Schlagkraft auf den Bahn-Langstrecken, aber erst recht auf der Straße. Timos 2017 erzielte Leistungen über 5000m (14:03 min) und 10000m (28:57 min) sind ein Versprechen auf die Zukunft, und auch seine Ende Oktober beim Frankfurt-Marathon erzielten 2:19 h (5. Platz bei der Deutschen Marathon-Meisterschaft) sind wohl noch lange nicht das „Ende der Fahnenstange“.

Was er kann, zeigte der 28jährige eindrucksvoll auf der mit über 300 Höhenmetern gespickten Strecke des Nikolauslaufes. Er lieferte sich auf dem ersten Streckendrittel ein spannendes Duell mit dem zweifachen Gewinner Jens Ziganke (O-Ton Göhler: „Wir haben immer wieder gegenseitig Attacken gesetzt“), um sich dann zwischen Kilometer 9 und 10 entscheidend von diesem abzusetzen. Jens Ziganke meinte hinterher dazu nur: „Bergab auf dem trailigen Stück hat Timo brutal draufgedrückt, und ich habe dann nur gehofft, bergauf wieder rankommen zu können. Aber er war einfach zu stark und ist auch der vollkommen verdiente Sieger. Außerdem ist er auch noch gut 40 Sekunden schneller gelaufen, als ich das je hier in Tübingen geschafft habe, das war schon eine sehr starke Vorstellung!“ Das Kompliment gab Timo Göhler , der in 1:09:54 h siegte, an seinen schärfsten Kontrahenten umgehend zurück, indem er ihm attestierte, ein „sehr hartes Rennen“ geliefert zu haben. „Ich habe damit gerechnet, dass es schwer wird, aber dass ich solche Schmerzen haben würde beim Rennen, das hätte ich nicht gedacht und Jens hat mir das Gewinnen richtig schwer gemacht.“

Überrascht zeigten sich beide davon, dass sie praktisch von Beginn an alleine vorneweg liefen. „Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir erst einmal eine größere Gruppe sein würden“, so Jens Ziganke. Der Vorjahressieger lief nach 1:10:44 h fast dieselbe Zeit wie 2016.

Dem hohen Tempo von Göhler und Ziganke vermochte keiner zu folgen. Erst mit gehörigem Abstand folgte dann eine größere Gruppe um Daniel Noll, David Jansen, Peter Obenauer, Simon Friedrich und Denis Bäuerle.

Aus dieser Gruppe konnten sich Noll (TSV Glems run2gether) und Obenauer (LAV Stadtwerke Tübingen) absetzen, wobei Noll die Anstiege deutlich leichter fielen als Obenauer. „Ich wusste, wenn ich ihn bergauf nicht aus den Augen verliere, kriege ich ihn bergab wieder“, so der groß gewachsene Obenauer bei der Pressekonferenz. Und so kam es dann auch, auf dem großteils fallenden Streckenteil von der Verpflegung bei Kilometer 16 bis zum Heuberger Tor (Kilometer 19) holte er Noll wieder ein und zog unwiderstehlich vorbei. Mit 1:12:52 h blieb Obenauer sogar noch unter 73 Minuten, was Noll (1:13:28 h) nicht mehr gelang. Fast wäre dieser sogar noch vom heranstürmenden Denis Bäuerle (LG farbtex Nordschwarzwald; 1:13:34 h) abgefangen worden, rettete jedoch den vierten Platz ins Ziel. Marius Stang war auf Rang sechs der zweitschnellste LAV-Athlet und konnte mit 1:14:36 h quasi auf der Zielgeraden noch am Ex-LAVler Simon Friedrich (TSV Straßberg; 1:14:44 h) vorbeiziehen.

Nicht ganz so eng war der Ausgang des Rennens bei den Frauen. Anaïs Sabrié, LAV-Athletin und in Tübingen lebende und studierende Französin mit deutschem Pass, zeigte ihren Konkurrentinnen die Hacken und lief einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg heraus. 1:21:06 h lautete ihre Endzeit, beinahe identisch mit der des letzten Jahres, als sie in 1:21:05 h Zweite hinter Sabrina Mockenhaupt wurde. Was Jens Ziganke verwehrt blieb, schaffte Anaïs Sabrié, nämlich den dritten Eintrag in die Siegerliste des Nikolauslaufes. Mit Katrin Köngeter (Post-SV Tübingen) kam nach 1:22:32 h eine weitere Lokalmatadorin auf das Podium. Nach etwa fünf Kilometern war sie an Nora Kusterer (SV Oberkollbach) vorbeigegangen und hatte zeitweise den Führungsradfahrer von Sabrié vor sich gesehen, „aber das war definitiv viel zu weit weg, um da noch ranlaufen zu können“, gestand sie später ein.

Als Laufbetreuerin für den Post-SV kennt sie die Strecke des Nikolauslaufes in- und auswendig und freut sich daher jedes Jahr darauf, hier antreten zu können und war mit ihrem Ergebnis auch hochzufrieden.

Genauso verhielt es sich mit dem Fazit, das Nora Kusterer, die in 1:23:59 h Dritte wurde, nach dem Wettkampf ziehen konnte. „Nach dem verkorksten Frankfurt-Marathon (5. Platz bei der DM in 2:44 h) konnte ich überhaupt nicht richtig einschätzen, wo ich überhaupt stehe und ich habe erst einmal zwei Wochen Pause gebraucht, weil ich schon beim Gehen Schmerzen hatte. Da der Tübinger Nikolauslauf zu meinen absoluten Lieblingsläufen zählt und ich seit zehn Jahren, mit einer Ausnahme, immer teilgenommen habe, habe ich auch dieses Jahr wieder versucht, mich dafür einigermaßen fit zu machen. Es scheint, als sei mir das nach Frankfurt ganz gut gelungen.“

Karoline Degenhardt (Intersport Räpple) wurde wie im Vorjahr vierte Frau in 1:24:51 h, dahinter folgten mit der Nikolauslauf-Novizin Verena Andelfinger (Team „Go Run It“; 1:25:27 h) und Stefanie Kuhnert (Allianz Team; 1:25:53 h) in geringem Abstand die weiteren Platzierten.

Exakt ein Dutzend Frauen unter 90 Minuten (als Letzte derer die W40-Siegerin Katrin Ochs in 1:29:33 h) und 159 Männer demonstrieren erneut das hohe läuferische Niveau, das – bei aller vorweihnachtlichen Spaßbetontheit – in Tübingen sehr viel eher zu finden ist, als bei den meisten anderen Veranstaltungen dieser Größenordnung.

Ebenfalls hervorzuheben ist das Engagement der Tübinger Veranstalter für „ihr“ Laufrevier, den Schönbuch. Der Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch, Mathias Allgäuer, selbst LAV-Mitglied, durfte einen Spendenscheck von 2060 Euro entgegennehmen. Dieser Betrag setzt sich aus freiwillig erbrachten Beträgen zusammen, die im Rahmen der Online-Anmeldung von allen angemeldeten Teilnehmern gespendet werden. Verwendet wird das Geld für die Pflege und Wartung von Wegen für Läufer, Mountainbiker und Spaziergänger.

Aus Athletensicht ging der Blick voraus schon einmal in Richtung Frühjahrsmarathon, wo sich der frisch gebackene Nikolauslaufsieger Timo Göhler bei einem noch nicht genau festgelegten Wettkampf die Team-Norm für die Europameisterschaften, die 2018 in Berlin stattfinden, erlaufen möchte. Dazu wird wohl eine Steigerung seiner bisherigen Bestzeit von 2:19 h nötig sein, doch Timo macht einen rundum zufriedenen Eindruck. Bei seinem neuen Arbeitgeber, einem Unternehmen der Biotechnologie unweit des Start-und Zielorts des Nikolauslaufes, hat er die notwendigen Freiheiten, um („bis zu 200km in der Hochtrainingsphase“) genug trainieren zu können. „Momentan arbeite ich etwas mehr, damit ich dann, wenn ich mehr trainieren möchte, dies auch verwirklichen kann“. Wie gut, dass sein Chef, Michael Burnet, selbst auch aktiver Läufer und Post-SV-Mitglied ist. Da kann Timo auf Verständnis für seinen Trainingsaufwand hoffen.

Es bleibt die Frage, was bei so viel Positivem denn noch verbessert werden könnte. Nora Kusterer attestierte den Verantwortlichen des Nikolauslaufes eine Veranstaltung auf „sehr hohem Niveau, mit steigender Tendenz“, was vom Post-SV-Ehrenvorsitzenden Manfred Amann genauso gesehen wurde. „Durch das Engagement von Gerold Knisel und Johannes Heil (der für das Marketing zuständig ist) wurde unsere Veranstaltung noch einmal auf ein ganz anderes Niveau gehoben, dazu kamen die technischen Neuerungen beispielsweise bei der Zeitnahme“.

Dennoch kann man sicher sein, dass die Tübinger nicht müde werden, nach Verbesserungen zu fahnden und sich in Detailarbeit zu ergehen – erstes Indiz hierfür ist zum Beispiel das Feedback-Formular, welches jeder Teilnehmer im Anschluss an den Nikolauslauf auf der Website der Tübinger innerhalb einer Minute ausfüllen und damit ganz persönlich zu weiteren Optimierungen beitragen kann.

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.nikolauslauf-tuebingen.de


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