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48. Course de Noel à Sion

[eingestellt am 13. Dezember 2016]

By: Volker Goineau

Fotos: Etienne Bornet und Volker Goineau

Buntes Treiben im Startbereich

Die schnellsten drei Frauen

Siegerehrung Männer

Maja Neuenschwander

Auch Weihnachtsmänner wurden geehrt

Auch die Kleinen machen ganz schön Tempo

Über den roten Teppich

Die kleinen Weihnachtsmänner hatten ihren Spaß

Flottes Feld unterwegs

Helen Bekele allein auf weiter Flur

Tadesse Abraham vor Patrick Ereng

Durch die vorweihnachtlich geschmückte Innenstadt

Gespannte Zuschauer auf der „place de la Planta“

Maja Neuenschwander auf der Strecke

Verwinkelter Altstadtkurs mit toller Atmosphäre

Sion/SUI, 10.12.2016 - Die Stadt Sion, zu Deutsch Sitten, ist die Hauptstadt des Schweizer Kantons Wallis und hat ca. 33.000 Einwohner. Neben dem Fußballclub FC Sion, der derzeit auf dem dritten Rang in der Schweizer Liga steht und in der vergangenen Saison in der Europa League gespielt hat, bietet der alljährlich am zweiten Dezember-Samstag stattfindende Weihnachtslauf „course Titzé de Noel“ ein sportliches Highlight der Stadt. Vom Schmuckhändler Otto Titzé anno 1969 ins Leben gerufen, ist dies der älteste Stadtlauf in der Schweiz und wurde nun bereits zum 48. Mal ausgetragen.

Im Jahr 2016 nahmen mehr als 4200 Läuferinnen und Läufer an der Veranstaltung teil, was einen neuen Teilnehmerrekord bedeutete. Los ging es um 11:40 Uhr mit den Läufen für Kinder und Jugendliche, die von den zahlreichen Zuschauern frenetisch angefeuert wurden, ebenso wie die deutlich später am Tag startenden Elite-Läufer. Während die Kleinsten eine 750m-Schleife liefen, fanden alle anderen Wettbewerbe auf einer 1km langen Runde statt, die 1 bis 7 Mal zu absolvieren war. Der Kurs führt durch die kleinen Straßen der Innenstadt, über Asphalt, Kopfsteinpflaster sowie über einen roten Teppich, der in einer Straße über das Pflaster gelegt worden war. Kaum eine Stelle ist wirklich flach, zumeist führt der Weg leicht bergauf oder bergab; allerdings ohne richtig heftige Anstiege. Die kleine Runde ist sehr zuschauerfreundlich, führt unter anderem direkt am Festzelt auf der „place de la Planta“ vorbei; ist allerdings neben dem Profil durch viele Kurven geprägt, sodass es schwer ist, einen guten Laufrhythmus zu finden. Sogenannte „Steher“ und Marathonläufer haben es hier gegen Mittelstreckler, Cross- und Hindernisläufer also durchaus nicht so leicht.

Nach mehreren weiteren Rennen für die Jedermänner (3km und 7 bzw. 5km) und auch einem Lauf für „Weihnachtsmänner“ über 2km, standen um 17 Uhr mit dem Frauen-Eliterennen über 5km sowie um 17:30 Uhr dem Männer-Eliterennen über 7km die sportlichen Highlights der Veranstaltung an. Die Schweizer Laufelite ist solche Kurse übrigens gewohnt; schließlich ist die course de Noel in Sion einer von vielen kürzeren Straßenläufen auf verwinkelten Innenstadtkursen wie sie auch in Basel, Genf, Bulle und in weiteren Städten ausgetragen werden. Einen Tag nach dem Rennen von Sion findet auch noch der „Zürcher Silvesterlauf“ statt, bei dem einige der Topläufer, die in Sion starten, auch wieder an der Startlinie stehen.

Das Frauen-Eliterennen mit rund 30 Teilnehmerinnen wurde quasi vom ersten Meter an von Helen Bekele dominiert. Die Äthiopierin, die seit einiger Zeit in der Schweiz lebt und für Stade Genève startet, lief einem sicheren Sieg in 16:00,9 min. entgegen und konnte nach Basel und Genf ihren dritten Sieg hintereinander feiern; nur bei der „corrida bulloise“ vor drei Wochen war sie von der Schweizerin Fabienne Schlumpf geschlagen geworden. Allerdings war sie Ende Oktober noch den Frankfurt-Marathon gelaufen, bei welchem sie nach einer schnellen ersten Hälften (1:11:38 h) auf der zweiten Hälfte das Tempo nicht halten konnte und in 2:31:27 h finishte. Sie möchte sich weiterhin auf dem „langen Kanten“ versuchen; der nächste Start ist für den 9. April in Hannover geplant. Den zweiten Platz in Sion erlief sich die Kenianerin Betty Chepkwony in 16:25,7 min, gefolgt von der ersten Schweizerin Maja Neuenschwander, die 16:44,3 min benötigte. Die 36jährige Schweizer Rekordlerin im Marathon (2:26:49 h in Berlin 2015) und 29. des Olympia-Marathons von Rio de Janeiro nimmt die kurzen Stadtrennen seit vielen Jahren regelmäßig mit und schätzt die tolle Atmosphäre auf den Innenstadt-Kursen; wobei sie erstmals nun auch in Sion am Start war. Auch wenn ihre Form zu dieser Jahreszeit häufig noch nicht so gut ist und die Strecken ihr eigentlich viel zu kurz sind, bieten diese Stadtläufe für Maja eine schöne (und lukrative) Abwechslung zum Trainingsalltag, bevor die nächste Marathon-Vorbereitung allmählich losgeht. Im nächsten Frühjahr plant sie einen Start beim London-Marathon. Auch die Damen auf den Rängen vier bis sechs blieben in Sion noch unter 17 Minuten.

Um 17:30 Uhr, nachdem die Dunkelheit längst eingebrochen war, sollte es richtig schnell werden. Nun wurde das rund 50 Mann starke Eliterennen der Männer über 7 Runden gestartet und mit dabei waren der Schweizer Rekordler im Marathon und Halbmarathon-Europameister mit eritreischen Wurzeln Tadesse Abraham, sowie mehrere schnelle Kenianer und Äthiopier, die regelmäßig bei den Stadtläufen in der Schweiz anzutreffen sind. Zu Beginn übernahm jedoch der Genfer von Stade Genève Julien Lyon die Führung und drückte dem Rennen seinen Stempel auf. Der 26jährige, der sich in den vergangenen zwei Jahren sehr stark entwickelt hat und mittlerweile Bestzeiten von 63:56 min im Halbmarathon sowie 2:16:17 h von seinem Marathondebüt in Zürich (bei Eisregen!) vorzuweisen hat, ist mittlerweile eine feste Größe in der Schweizer Langstreckenelite und auch bei vielen Stadtläufen dabei. Sein horrendes Anfangstempo konnte Julien nicht halten, schlug sich als letztendlich Fünftplatzierter jedoch mehr als achtbar. Ganz vorne kam es zum Duell zwischen „Tade“ Abraham und dem Kenianer Patrick Ereng, das Tade mit einer fulminanten Schlussrunde von 2:41 min zu seinen Gunsten entschied. Seine Zeit für die 7km: 19:49,7 min. Mit 8,6 Sekunden Rückstand folgte Ereng auf Rang zwei. Das Podest wurde von dem weiteren Kenianer Bernard Matheka (20:14,8 min) komplettiert. Insgesamt liefen die ersten 11 Läufer unter 21 min (also unter 3min/km) und die ersten 26 blieben unter 22 min.

Nach dem Rennen zog es viele Teilnehmer ins Festzelt zur „Pastaparty“; hier fand auch die Siegerehrung statt. Die course Titzé de Noel ist aus dem Schweizer Laufkalender längst nicht mehr wegzudenken und zieht Jahr für Jahr auch Läufer aus vielen anderen Ländern wie beispielsweise Italien, Frankreich oder Deutschland an, was der Veranstaltung ein internationales Flair verleiht. Zur 50. Auflage im Jahr 2018 haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen: neben dem Stadtlauf soll ein Trail-Lauf über rund 30 km in der Umgebung der Stadt Sion stattfinden, für welchen die Vorbereitung bereits im Gange sind. Man kann gespannt sein, wie dieser Wettbewerb angenommen wird; er hätte sicherlich ein großes Teilnehmerfeld als würdigen Rahmen einer tollen City-Veranstaltung verdient.

 

https://www.coursedenoel.ch/


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