5. eon Mitte Kassel Marathon
Hitzeschlacht in Kassel
KAssel, 22. Mai 2011 - Als Winfried Aufenanger 2006 die ersten konkreten Überlegungen anstellte, in Kassel einen Marathon auf Top-Niveau zu installieren, waren nicht alle überzeugt. Ein Jahr später gab es bereits die Premiere - und die war zuvor bundesweit in den Medien. Denn es gab zunächst Terminkollision mit der documenta 12, der erste Marathon in Kassel musste auf den Juni ausweichen. 5071 Finisher insgesamt in allen Wettbewerben und eine Riesenstimmung an der Strecke: Es war, als hätten die Läuferinnen und Läufer in Nordhessen nur darauf gewartet, dass endlich ein Event in dieser Größenordnung angeboten wird. Deutsche Polizei-Meisterschaft, Deutsche Hochschulmeisterschaft, Deutsche Meisterschaft Inliner-Halbmarathon - immer wieder gab es und gibt es aufwertende Wettbewerbe.
In 2010 kam die Veränderung des bisherigen zweimal zu durchlaufenden Kurses auf die Ein-Runden-Strecke. Mit den Siegerzeiten des letzten Jahres liegt der E.ON Mitte Kassel Marathon in den Top Ten in Deutschland - eine Bestätigung dafür, dass die anspruchsvolle Kasseler Strecke durchaus schnell ist.
10.021 angemeldete Teilnehmer und gute Siegerzeiten lautet die Bilanz des 5. Kassel-Marathons. In Nordhessen ist der Kassel-Marathon mehr als nur ein Lauf über 42,195 km. Das ganze Jahr fiebert die Region Nordhessen dem Marathon-Wochenende entgegen. Neben der Königsdisziplin, den 42 km, und der halben Distanz, den 21,0975 km, stehen ein Mini-Marathon für die Kleineren sowie die Startgelegenheit für die Inliner, die Handbiker, die Marathonstaffeln und Walker auf dem Programm. Insgesamt also ein straffer Zeitplan, aber für das Publikum vielseitige und interessante Laufveranstaltungen.
Den Beginn des Marathon-Wochenendes machten die kleinsten Läufer. Klein ist relativ zu sehen, ist aber der Mini-Marathon der heimliche Höhepunkt des Wochenendes. Über 3000 Kinder und Jugendliche gingen an den Start. In einer Runde rund um den Kasseler Buga-See galt es für die Jüngsten auf 4,2 km ihr Können unter Beweis zu stellen. Bei strömendem Regen, der just zu Startbeginn einsetzte, wurde den Sprösslingen alles abverlangt.
Letztlich konnte sich Tobias Kisling von der Albert-Schweitzer-Schule in 13:39 min. durchsetzen. Der Vorjahressieger Hendrik Franke vom PSV Grün-Weiß Kassel lief auf Rang Zwei in 13:42 min. ein. Jonas Joachimmeyer von der LG Fuldatal in 13:56 min. komplettierte das Siegerpodest. Bei den Mädels konnte sich Ronja Böhrer von der SSC Bad Sooden Allendorf in 15:50 min. behaupten. Eva Dieterich (LG Fuldatal) in 16:30 min. und Elisa Bade (Wilhelmsgymnasium Kassel) in 16:41 min. belegten die folgenden Plätze.
Der erste läuferische Höhepunkt am Sonntag sollte um 8.30 Uhr gestartet werden. Die Halbmarathonis wurden bei noch angenehmen 18 Grad auf die Strecke geschickt. Hier setzte sich bereits bei km 5 der spätere Sieger Thomas Thyssen (PSV Grün-Weiß Kassel) vom Feld ab und spulte sein Programm herunter. In 1:11:52 h verbesserte der Student der Wirtschaftswissenschaften seinen Streckenrekord aus dem Jahr 2009 um eine Sekunde und wirkte im Ziel sichtlich zufrieden. Hierfür musste Thomas auf der Zielgeraden aber nochmal alles geben. In einer 10-wöchigen Vorbereitung und mit 150 Wochenkilometern bereitete sich der Kasseler intensiv auf das Laufereignis in Nordhessen vor. Als nächster Höhepunkt sollen Mitte Juni die Hess. Meisterschaften über 10.000 m folgen.
Hinter Thyssen lief der Dauerbrenner Jürgen Austin-Kerl (PSV) ins Ziel, den Kasseler Boden küssend und sich unter Tränen von seiner aktiven und langen Laufkarriere verabschiedend. „Einmal ist der Zeitpunkt gekommen, dass man Schluss machen muss“, sagte Austin-Kerl. Das ganze Rennen ohne Puls und ohne Uhr laufend genoss der im niederländischen Nato-Stützpunkt Brussum beschäftigte Berufssoldat sein Abschiedsrennen. „Die vielen Freunde an der Strecke haben mich in ein Wechselbad der Gefühle versetzt.“ Seit 1986 ist JAK, wie Jürgen Austin-Kerl auch gerne genannt wird, ca. 181.000 km gelaufen, das entspricht 4,5 Erdumrundungen. Bei so viel Emotionen wirkte die Zeit von 1:12:44 h fast nebensächlich. „Ein Comeback sei aber nicht ausgeschlossen“, taten einige Stimmen am Rande der Siegerehrung kund.
Dritter wurde Ben Beattie von den Manchester Sale Harriers in 1:15:59 h. Die Sale Harriers waren mit einer großen Gruppe den langen Weg von Manchester angereist.
Bei den Frauen holte sich Silke Optekamp (PSV Grün-Weiß Kassel) den Sieg und toppte die alte Bestmarke von Vorjahressiegerin Katrin Kreil um über drei Minuten auf 1:19:16 h. „Eine fantastische Atmosphäre und Organisation machen einen Start in Kassel immer wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis“, so die Mönchengladbacherin. Nach einer etwas ruhigeren Phase in den letzten Wochen wird Silke demnächst die Vorbereitung auf den Herbstmarathon starten. Auf dem Weg dorthin werden aber die Deutsche Meisterschaften über 5000 m in Kassel als Heimspiel mitgenommen.
Vorjahressiegerin Katrin Kreil (Hannover 96) lief auf Platz zwei in 1:22:01 h und blieb dabei noch deutlich unter ihrer Zeit vom letzten Jahr.
PSV-Läuferin Katrin Arndt wurde Dritte in 1:23:02 h. Die sehr anspruchsvolle Strecke meisterte die Studentin der Psychologie mit Bravour und blickt nun dem Sommer entgegen, wo der Fokus eindeutig auf den kürzeren Strecken liegen soll.
Pünktlich um 9.00 Uhr wurden bei Temperaturen bis zu 28 Grad dann die Marathonis auf die Strecke geschickt. Der Marathon-Sieger Julius Muriuki (Kenia) war ganz angetan von den Fans, die ihn zum Sieg peitschten. In 2:12:59 h blieb Muriuki nur zwei Sekunden über dem Streckenrekord von Joel Jepkopol, der sich diesmal mit Platz elf begnügen musste. Muriuki gewann vor dem Kassel-Sieger von 2008, Pharis Kimani (Kenia, 2:13:40 h) und dem 21-jährigen zurzeit für mehrere Monate in Ulm lebenden Elisha Rotich (2:15:17 h). Die ursprünglich angepeilte Zeit von 2:10 h war angesichts der Temperaturen dann nicht möglich.
Die Frauensiegerin Jacquline Nytepi bedankte sich persönlich bei den Zuschauern: „Danke an die Zuschauer, es war sehr schön hier zu laufen“, bilanzierte die Kenianerin beim Siegerinterview. Zweite wurde die Landsfrauen Prisca Kiprono in 2:46:34 h und Truphena Kurui 2:51:46 h.
Bester Deutscher wurde wie im Vorjahr Marco Schwab (PSV Grün-Weiß Kassel). Die im Vorfeld anvisierte Bestzeit war aufgrund der Hitze relativ schnell in eine Zeit unter 2:30 h geändert worden. In 2:29:57 h legte Marco sodann auch eine Punktlandung hin. Für den Bautechniker wurde es ab km 35 richtig hart, aber die Routine von fast 20 Marathons ließ Schwab das Rennen souverän zu Ende laufen. „Insgesamt fällt nun nach wochenlangem hartem Training die Last von einem ab. Das Gefühl auf der Zielgeraden ist mit Geld nicht zu bezahlen. Hartes Training lohnt sich auf jeden Fall“, resümierte der Schrecksbacher. Nächstes Ziel ist ein Herbstmarathon, wahrscheinlich wieder Frankfurt als alt bewährtes Pflaster.
Der im Vorfeld neben Schwab als Favorit auf den Titel des „besten Deutschen“ gehandelte Sachse, Erik Haß, musste leider bei km 28 das Rennen vorzeitig beenden. „Bereits bei Halbmarathon habe ich mich total schlapp gefühlt. Das Alleinelaufen hat mich zusätzliche Körner gekostet“, suchte Haß nach Gründen für seine Aufgabe.
Deutscher Hochschulmeister im Marathon wurde Philip Dauster von der Hochschule Zittau-Görlitz. Er gewann die in den E.ON Mitte Kassel Marathon eingebundene Meisterschaft in 2:40:44 h vor Bernd Gillet (Uni Hamburg), der in 3:08:56 h finishte. Deutsche Hochschulmeisterin wurde wie schon 2009 in Kassel Antje Krause (Uni Marburg) in 3:36:52 h.
Das erstmals im Programm stattfindende Demonstrationsrennen der Handbiker (Halbmarathon) gewann Christian Thiel (RSC-Bad Wildungen). Der als zweite auf die Strecke geschickte Inliner-Wettbewerb wurde von Tobias Reubert (TSV Bayer 04 Leverkusen) in 43:16 min. und von Aleksandra Malina (SCC Skating) in 49:58 min. gewonnen.
Ein rundum positives Fazit zog der Hauptorganisator Winfried Aufenanger: „Wir sind froh die 10.000 Teilnehmer-Marke durchbrochen zu haben. Die heute gelaufenen Zeiten waren im Schnitt etwas langsamer als im Vorjahr, sind aber angesichts der Hitze umso höher zu bewerten. Ca. 70.000 Zuschauer entlang der Strecke sind ein deutliches Signal für die Beliebtheit des Marathons in der Region Nordhessen.“
Die Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Roten Kreuz klappte wie gewohnt reibungslos. Das DRK hatte trotz der Hitze nur wenige ernsthafte Einsätze zu melden, die Polizeikollegen freuten sich über ihre Verantwortlichkeit der Streckenabsperrung und blicken bereits der Ausgabe 2012 mit Arbeitseifer entgegen. Die eingefangenen Läuferstimmen lobten die vielen Verpflegungsstände und die zahlreichen Wasserduschen entlang der Strecke.
Marathonarzt Peter Kentsch bewertete die 5. Ausgabe ebenfalls positiv: „Zwar lag die Aussteiger-Quote heute aufgrund der Sonneneinstrahlung etwas höher als sonst, im Vorfeld des Marathons wurde den Teilnehmern aber mehrfach eine realistische Einschätzung ihres Leistungsvermögens nahe gelegt. Im Endeffekt hat sich das Gros meiner betreuten Athleten an die Vorgaben gehalten und konnte zufrieden finishen.“
Die Auflage 2012 mit leicht veränderter Streckenführung darf deshalb mit Spannung erwartet werden.
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