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7. Voralpenmarathon in Kempten

[eingestellt am 29. September 2009]

Von: Nicole Benning & Jochen Höschele

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Gerti Ott (TV Memmingen), Siegerin 2008, kurz vorm Start

Barbara und UIi Guranti (beide TV Jahn Kempten)

Oliver Krämer (EK Schwaikheim), später 5. im Marathon

Geballte Allgäu-Power: Anton Philipp (2), Christian Storck (227), Uli Morgen (189) und Thomas Miksch (4)

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Anfeuerung tut gut

Gerald Blumrich (TV Jahn Kempten) und Eva Übelhör (TV Immenstadt)

In Wiggensbach

Hinauf auf den Blender

Endlich oben, aber keine Verbesserung des Untergrunds

Noch immer hält sich etwas Nebel

Hinauf auf den Schwarzen Grat

… und noch immer nicht oben

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Allgäuidylle

Über sieben Hügel musst Du laufen …

27. September 2009 - … so oder so ähnlich könnte die Ausschreibung des Voralpenmarathons in Kempten aussehen. Nicht in den hohen Bergen des Allgäus sondern in den Hügeln des Voralpenlandes immer am Rande der württembergischen und bayerischen Grenze. Wobei das mit den Hügeln Ansichtssache ist, für Nordlichter, bei denen die stärkste Steigung der Anstieg auf eine Autobahnüberführung ist, erscheinen die Hügel schon wie ein großer Alpengipfel.

Kempten zeichnet sich durch eine Vielzahl von Besonderheiten aus: es ist die zweitgrößte Stadt Bayerisch-Schwabens und somit ein sogenanntes Oberzentrum, was weniger mit der Höhe als mit der Bedeutung für die umliegende Region zusammen hängt. Außerdem – und darauf kann man wirklich stolz sein – ist es eine der ältesten Städte Deutschlands.

Und es gibt dort und ihr der Nähe zahlreiche tolle Lauf- und Triathlonveranstaltungen, für die die Stadt und deren Umgebung immer eine Reise wert sind.

Zum siebten Mal veranstaltete der weit über die Grenzen des Allgäus und Bayerns hinaus bekannte TV Jahn Kempten nun schon den Voralpenmarathon. Angefangen hat es mit einem echten Marathon, also einer Streckenlänge von 42,195 km. Seitdem in Kempten 2006 die DUV-Meisterschaften im Landschafts- und Crosslauf ausgetragen wurden, ist die dortige Langstrecke auf rund 45 km verlängert worden. Und dabei ist es bis heute geblieben. Ein Ultra also, wenn auch ein kurzer.

Damit der Lauf nicht ganz so kurz ausfällt und man für sein Startgeld ein bisschen mehr Zeit auf der Strecke verbringen kann, hat man auch noch das Vergnügen ca, 1.350 hm zu überwinden. Der Blender und der Schwarze Grat sind dabei als „Gipfel“ zu verzeichnen. Der Schwarze Grat ist mit seinen 1.118 m Höhe nicht, wie manche annehmen, die höchste Erhebung Württembergs. Dies war er im alten Land Württemberg mal, heute hat diese Spitzenposition der Dreifürstenstein (1.151 m) unweit der Hornisgrinde im Nordschwarzwald inne, wo die Grenze zur württembergischen Gemeinde Baiersbronn verläuft. Und außerdem auch ein sehr schöner Landschaftsmarathon stattfindet (Laufticker berichtete). Genug des geografischen Exkurses.

Als Alternative zur Ultrastrecke bieten die Macher des Voralpenmarathons um Cheforganisator Norbert Grotz auch noch den sogenannten 2/3-Marathon an, der sich auf 28,13 km beläuft, also just 66,66% der klassischen Marathondistanz. Auch hierbei dürfen kräftig Höhenmeter gemacht werden, in der Summe 900, was den „Kurzen“ für Einsteiger nicht gerade prädestiniert. Schon eher für „Frischlinge“ ist der Staffelwettbewerb gedacht, bei dem sich 3-10 Läuferinnen und Läufer die Ultramarathondistanz teilen. Hinzu kommen noch Kinder- und Jugendstaffeln (ebenfalls mit 3-10 Läufern) über die „Kurzstrecke“ von 28 km – ein volles Programm also.

Dass alles reibungslos und perfekt organisiert abläuft, liegt zum einen sicherlich an der geballten Erfahrung, die die Kemptener vorweisen können – sie können nicht nur schnell laufen, sie lassen auch laufen, und das ganz hervorragend. Zum anderen an dem vielen Herzblut und persönlichem Engagement, das die Organisatoren in die Veranstaltung stecken.

Hervorragend ließe sich auch bei der Beschreibung des Starterfeldes verwenden – alternativ darf man es auch als erlesen oder hochkarätig bezeichnen. Bis auf Matthias Dippacher, der sich beim Spartathlon versuchte, war nahezu die gesamte Allgäuer Berg- und Traillaufelite vertreten. Nicht wenige der „Bergziegen“ hatte beim am 12.09. zu Ende gegangenen TransAlpine-Run teilgenommen: Thomas Miksch und Anton Philipp zum Beispiel, sie hatten dort die Kategorie „Masters“ (Teams über 80 Jahre Gesamtalter) souverän für sich entscheiden können – oder Christian Stork, der sich unglücklich am dritten Tag verletzt hatte und das Ziel in Latsch nicht erreichte. Michael Veit und Thomas Geisenberger, in der Männerwertung des TransAlpine-Runs auf Platz 2 geführt, standen ebenso unter dem Startbogen am Freizeitbad „Cambomare“ wie Simone Philipp (7. Platz in der Mixedwertung), Gerti Ott (4. Platz in der Frauenwertung) und Eva Übelhör (8. in der Mixed-Wertung).

Als Favoriten auf den Gesamtsieg beim Ultra waren außerdem auch noch Melanie Henscheid und Edi Kunz auszumachen, beide ihres Zeichens sehr erfolgreich bei diversen Allgäuer Laufveranstaltungen.

Erstaunlich war, dass es von Beginn an die Ultras waren, die das Tempo diktierten – allen voran Christian Stork, aber auch Veit und Geisenberger legten los wie die Feuerwehr – den „Kurzstrecklern“ blieb nur das Nachsehen. So erreichte denn auch Geisenberger als Erster den Hausberg Kemptens, den Blender, nach etwa 13 km und in deutlich weniger als einer Stunde.  Bei den Frauen hatten die Kurzstreckler die Nase vorn, als erstes erreichte Nicole Benning den Anstieg zum Blender, musste sich dort aber, wie erwartet, von Simone Philipp (TV Jahn Kempten) und Barbara Schuster (SV Maierhöfen-Grünenbach) überholen lassen. „Lauf zu“, rief sie Simone Philipp noch hinterher, die von nun an das Zepter in die Hand nahm und alles auf eine Karte setzte. „Ich hab’ gedacht, wenn ich attackier’, dann jetzt – wenn’s gut geht, hab’ ich alles richtig gemacht.“, so sagte sie hinterher als glückliche Siegerin des 2/3-Marathons im Ziel.

Auf der Langstrecke lag bei den Damen hier Melanie Henscheid nur knapp eine Minute vor Eva Übelhör.

Bei km 16 trennten sich die „Kurzstreckler“ von den Ultras und strebten – nur noch den Mariaberg als letzten Scharfrichter vor sich - auf direktem Weg dem Ziel entgegen. Als erster erreichte der gerade mal 18-jährige Johannes Angeli (TSV Buchenberg-Langlauf) in 1:58:57 h das Ziel und blieb damit als einziger unter 2 Stunden Laufzeit. Zweiter wurde Martin Joost vom Laufladen Axel Reusch (2:02:02 h) vor Jürgen Wiemer (SV Birkenhard) in 2:02:28 h. Bei den Frauen siegte Simone Philipp in 2:18:19 h und sorgte damit für den Grundstein des Familienerfolgs „Philipp“, denn ihr Mann sollte später noch Zweiter auf der Ultrastrecke werden. 2:21:52 h wurden für die Zweitplatzierte Barbara Schuster gestoppt, als Dritte erreichte Nadine Heiler vom TSV Mosbach in 2:23:38 h das Ziel, die auf dem letzten Kilometer noch an Nicole Benning vorbei ging.

Für die Ultras führte der Weg auf einer großen Schleife am Eschacher Weiher vorbei hinüber und hinauf zum Schwarzen Grat, wo man auf einem Begegnungsstück die Konkurrenz taxieren konnte und wieder retour zum Eschacher Weiher. Mittlerweile wurden die Läufer auch von der immer kräftiger scheinenden Sonne begleitet, die den morgendlichen Dunst verdrängt hatte.

Verdrängt waren auch längst sämtliche Unklarheiten bezüglich des Rennausgangs – einsam zogen Geisenberger bei den Männern und ebenso unangefochten Melanie Henscheid bei den Frauen ihre Kreise. Nur eine gewaltige und länger anhaltende Schwächephase oder gar ein Sturz hätte ihnen den Sieg noch streitig machen können. Dazu sollte es jedoch nicht kommen – unbedrängt und mit mehr als fünf (Geisenberger vor Anton Philipp) beziehungsweise über elf Minuten (Henscheid vor der gegen Ende stark auftrumpfenden Alexandra Gundel, die Eva Übelhör noch abfangen konnte) Vorsprung war der Käse, den die Siegerinnen und Sieger bei der Preisverleihung im Zelt bekommen sollten, sozusagen schon „gegessen“, als die übrigen Podestplatzierten einliefen.

Bei äußerst angenehmen Temperaturen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber auch die Zuschauer und Begleitpersonen, auf der Wiese direkt am Ziel die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, den in den Startunterlagen enthaltenen Nudelgutschein gegen Essbares eintauschen, sich mit kostenlosem „Finisherbier“ - alkoholfrei oder Radler - versorgen („echtes“ Bier gab’s natürlich auch, jedoch nur gegen Bezahlung im Zelt) und sich das sehr schöne Funktionsshirt (für alle vorangemeldeten Ultras) abholen.

Das Gesamtpaket war also prall gefüllt – und wer schon seine staatsbürgerliche Pflicht an diesem Wahlsonntag erledigt hatte, konnte sogar noch eine Schwarzwälder Kirschtorte genießen, ohne sich um die Schließung der Wahllokale Sorgen machen zu müssen. Ohnehin galt an diesem 27.09.: Kempten ist immer erste Wahl!

Link zur Veranstaltung: www.voralpenmarathon.de