8. Bad Dürkheimer Faschingswaldlauf
Derkem Helau
Bad Dürkheim, 18. Februar 2012 - Auch wenn die Kurstadt im Herzen der Pfalz einen eigenen Faschingsumzug hat, der sich am Faschingsdienstag durch die Stadt schlängelt, handelt es sich nicht eben um eine Faschingshochburg.
Der Faschingswaldlauf, der am Samstagnachmittag seinen festen Termin gefunden hat, könnte denn auch von Läuferseite bunter sein, vor allem die Erwachsenen zeigten sich nur sparsam maskiert.
Seit 2004 veranstaltet der LTV Bad Dürkheim unter dem Motto „Natur pur“ seinen Lauf an der Weilach, einer alten Hofruine, die erstmals 1381 urkundlich erwähnt wurde. Die Ruine liegt allerdings jenseits des Wettkampfgeschehens, das am sogenannten „Schlagbaum“ seine Zentrale hat. Ab hier sind auch vier verschiedene Laufstrecken zwischen 5 und 25 km permanent ausgeschildert. Die 5 km-Runde nutzt der LTV für die Laufstrecken der Erwachsenen. Für die Kinder gibt es eine 800 m-Runde über den Trimm-Dich-Pfad, die je nach Alter ein oder zwei Mal zu durchlaufen ist.
Wer nun von 2004 bis 2012 zählt, dem fällt auf: „eigentlich müsste das ja nun schon der 9. Faschingswaldlauf gewesen sein“. 2010 wurde die Veranstaltung aber kurzfristig wegen der Schneemassen abgesagt.
„Natur pur“ bezieht sich auf die Infrastruktur im Bad Dürkheimer Wald. Umkleiden oder Duschen sind dort nämlich Fehlanzeige. Für Startnummernausgabe und Kuchentheke sind Zelte aufgebaut, das Wettkampfbüro ist in einem VW-Bus untergebracht.
Ab 14 Uhr geht die Party richtig los. Zuerst werden die Mädchen bis 9 Jahre auf die Strecke geschickt, 18 an der Zahl. Es siegte Mithusha Ganeshanantha, eine der drei Neunjährigen im Feld. Die ersten fünf Plätze gingen an den LCO Edenkoben, unter den ersten 8 fanden sich drei Mädels, die auf den Namen Lena hören. Mit 3:39 min ging der Sieg weg. Katharina Koch schloß als Fünfjährige in 6:04 min das Feld nach hinten ab.
Vier Minuten später wurden die gleichaltrigen Jungen in den Wald entlassen. Auch hier war der Jüngste Jahrgang 2007. Simon Oehl kam als waschechter Feuerwehmann, seinen Helm nahm er für den Lauf allerdings ab. Für seine Kostümierung erhielt er in seinem Lauf den Sonderpreis für das schönste Kostüm. Als 20. und Letzter kam er nach 6:29 min ins Ziel und damit 3:16 min hinter dem Sieger, David Müssig, der auch zum LCO Edenkoben gehört.
Zügig ging es weiter mit den Schüler/-innen C. Eigentlich hätten die Jungen und Mädchen auch in dieser Altersgruppe getrennte Wege gehen sollen, aber es waren insgesamt nur 18 am Start, die man zusammen auf die Piste schickte. Kai Vogel, einer der wenigen Unverkleideten im Feld, kam nach exakt 3 min im Zielkanal an. Schon als Gesamt-Zweite konnte VanMan Jochen Heringhaus, heute mit schwarzer Afro-Perücke erst auf den zweiten Blick zu erkennen, sieben Sekunden später mit Katrin Leonhardt das schnellste Mädchen im Ziel begrüßen. Kai und Katrin sind beide Jahrgang 2002 und zeigten damit ihren älteren AltersklassenkollegInnen die Hacken.
Zu Lauf 5 wurden erstmals die Erwachsenen an den Start gebeten. Für den 5 km-Lauf waren zwar auch A-SchülerInnen starten, mit den Internationalen Wettkampfregeln nimmt man es in Bad Dürkheim aber sehr genau, B-SchülerInnen waren nicht startberechtigt. Ulrich Fehr, der Vereinsvorsitzende, ist Beisitzer im Rechtsausschuß des Leichtathletikverbandes der Pfalz. Umso merkwürdiger mutet es dann an, daß für die Erwachsenen keine Altersklassenwertung nach DLO vorgesehen war sondern nur die der Leichtathletik fremde Einteilung in „über und unter 40“ vorgenommen wurde.
Lange war es still um Rafael Bender, vor vier Wochen sah man ihn erstmals nach langer Wettkampfpause wieder beim Leininger Cross in Grünstadt. Auf seiner Hausstrecke an der Weilach ließ er sich einen Start nicht nehmen, allerdings reichte ihm die kürzere der beiden angebotenen Strecken. Von Beginn an setzte er sich an die Spitze des 93 LäuferInnen starken Feldes und beendete das Rennen auf der ungefähr 300 m zu kurzen Runde nach 16:32 min als überlegener Sieger.
Nach 17:06 min war Marc-Pascal Ehlen im Zielkanal, sechs Sekunden später dann Leander Lebeau. Schnellster ü40er war Heiner Oehl als Gesamt-Fünfter.
Als 13. Gesamt siegte Triathletin Anna Schloß in der Frauenwertung. Mit 19:55 min war sie die einzige Frau unter 20 min. 57 Sekunden später reihte sich Sonja Deiß in die Ergebnisliste ein, die allerdings auch noch für den abschließenden 10er gemeldet hatte. Monika Lenz-Müller, ehemalige TSG Grünstadterin, die heute für Stimmel Sports in Worms unterwegs ist, kam als schnellste Seniorin auf den dritten Gesamtrang. Sie brauchte 21:57 min.
Bevor der 10er gestartet wurde, gingen noch die SchülerInnen A und B, also die Jahrgänge 1997 bis 2000 an den Start. Sie hatten ca. 1,6 km, also zwei kleine Runden zu absolvieren. Mit Janis Egelhof blieb einer der Älterein im Feld als Einziger unter 6 min. Nach 5:51 min blieb die Uhr für ihn stehen. Leon Scholtissek brauchte 6:08 min, Norman Metzinger eine Sekunde länger. Schon als Gesamt-Vierte war die schnellste A-Schüleirn im Ziel. Elena Albrecht brauchte 6:35 min. Katrin Neumeister (6:55 min) und Franziska Fuchs (7:17 min) folgten ihr aufs Lauf-Treppchen, die drei gehörten aber alle unterschiedlichen Altersklassen an.
Um 15:45 h hieß es dann zum letzten Mal „auf die Plätze – fertig – los“ und 114 TeilnehmerInnen machten sich auf den Weg. Für Carmen Frisch war der Spaß nach nicht mal 2 km vorbei. Sie rutschte von einem Stein auf der holprigen Waldstrecke ab, kam zu Fall und humpelte mit einem verstauchten Knöchel zurück zum Start. Dabei wäre sie mit ihrem blaßrosa Königinnen-Kostüm sicher eine Anwärterin auf den Sonderpreis gewesen.
Nach einer Runde waren Christian Dörr und Mario Stuth noch beisammen, am Ende trennte den ehemaligen Triathleten und heutigen Mountainbiker Struth und seinen Verfolger Dörr nur eine Sekunde. Allerdings konnte Dörr in einem schnellen Endspurt eine kurz vorher noch ca. 10-15 m lange Lücke schließen. Vor zwei Tagen war er erstmals seit Wochen wieder im Wald unterwegs und hatte von seiner Tour auf den Eckkopf am Vorwettkampftag tatsächlich Muskelkater. Da vor zwei Wochen der zweite Sohn Jonas das Friedelsheimer Licht der Welt erblickte, bleibt dem überzeugten und begeisterten Familienvater derzeit ca. 3x pro Woche Zeit fürs Training. Da er in diesem Jahr erstmals in der Pfälzer Berglaufserie in die Wertung kommen möchte, startet er kommende Woche beim Donnersberglauf und dann bei den Pfalz-Berglaufmeisterschaften in Landstuhl. Ende April steht dann der Marathon Deutsche Weinstraße an, wo er seinen Titel des schnellsten Läufers aus dem Landkreis von vor zwei Jahren verteidigen möchte. „Mit so wenig Vorbereitung bin ich noch nie in einen Marathon gegangen. Aber naja.. wird schon schief gehen“ grinste der 36jährige.
Mit Bernd Mürb auf Rang 3 kam einer der wenigen verkleideten Läufer ins Ziel. Bernd war von seiner Lebensgefährtin Andrea als Mädchen geschminkt und mit Laufröckchen und buntem Bustier (allerdings überm Shirt) ausgestattet worden. Mit 36:39 min machte der Neu-M50er im Rock auch zeitlich eine gute Figur.
Schnellste Frau war, wie nicht anders zu erwarten, Eve Rauschenberg auf Gesamtrang 10. Exakt 39 min weist die Ergebnisliste für sie aus. Auch Eve befindet sich gerade in Vorbereitung auf den Weinstraßenmarathon. Auf dem Weg dorthin möchte sie auf jeden Fall auch den Halbmarathon im Bienwald mitnehmen. Beim Donnersberglauf wird man vergeblich nach ihr Ausschau halten, denn am Montag geht’s für sechs Tage beruflich nach Indien, wo sie schon aus Sicherheitsgründen nicht wird laufen können. Dafür hat sie gerade eine Belastungswoche hinter sich. Nach dem Faschingswaldlauf zeigen ihre Trainingsaufzeichnungen 110 km für die laufende Woche, für Sonntag hat sie noch einen 30 km-Lauf durch den Pfälzerwald geplant.
Julia Ertmer (41:54 min) und Sonja Deiß (43:31 min) komplettierten das Frauentreppchen.
Da alle Drei noch unter 40 sind, hatte Gisela Kipper als sechste Frau das Vergnügen, als schnellste Seniorin geehrt zu werden. Ende Januar war sie in Rodgau beim 50 km-Lauf erstmals auf einer Ultramarathonstrecke unterwegs.
Veranstaltungsseite mit Ergebnissen: www.faschingswaldlauf.info


