8. Schönaicher Lauf in den Frühling
Fotos: Nicole Benning
Wundermittel Weizen und Waffeln
Schönaich, 26. März 2011- Überschaubar ging es zu, unaufgeregt und unspektakulär beim 8. Schönaicher Lauf in den Frühling. Die Teilnehmerzahl erreichte mit 219 Zieleinläufen bei weitem nicht die Dimensionen, die man in der Region beispielsweise vom Magstadtlauf letzte Woche oder von den Läufen des Schönbuch-Cups gewohnt ist. Einen offenkundigen Grund gibt es dafür nicht, die Veranstalter vom Lauftreff Schönaich geben sich alle erdenkliche Mühe, um Teilnehmer in das 9.750-Seelen-Örtchen zwischen Böblingen und Steinenbronn zu locken.
Die Laufstrecke des Hauptlaufes ist anspruchsvoll, die Steigungen summieren sich auf 200 Meter, die sich auf 10,7 km verteilen. Außerdem bietet man in Schönaich auch einen 5,4 km-Jedermann- und Einsteigerlauf an, der, genau wie der Hauptlauf, auch gewalkt werden kann. Für die jüngeren Teilnehmer von den Bambini bis zu den Schülern stehen, je nach Altersgruppe insgesamt fünf verschiedene Laufstrecken rund um die Sport- und Gemeindehalle auf dem Programm. Die jüngsten laufen 300 m, die ältesten dürfen den Rundkurs sieben Mal absolvieren und kommen so auf 2100 m. Um 13:30 Uhr geht es für die Jüngsten los, im 15-Minuten-Rhythmus erfolgen dann die Starts, bis die Schüler A um 14:30 Uhr losgelaufen sind. Danach dauert es noch eine weitere Viertelstunde, ehe um 14:45 Uhr die Walker beider Strecken die Stöcke schwingen dürfen. Weitere 15 Minuten danach werden alle Einsteiger, Jedermänner und –frauen sowie die Hautlaufteilnehmer auf die Strecke geschickt.
Bei den Walkern über 10,7 km war Michael Schäfer vom TF Feuerbach in 1:12 h der Schnellste, Mirko Gadanac (LT Schönaich) und Susanne Komorowski aus Schönaich kamen beinahe gleichzeitig nach 1:22 h wieder an der Sport- und Gemeindehalle an. Insgesamt verzeichnete man hier 29 Zieleinläufe. Die Walker über 5,4 km waren ein sehr kleines Grüppchen – ganze sechs nahmen die „kleine Runde“ in Angriff. Günther Hüftle und Fritz Freimüller lieferten sich ein totes Rennen und waren nach 36:27 min wieder am Ausgangspunkt. Bemerkenswert, dass der ehemalige Bahngeher Hüftle Jahrgang 1946 ist – sein Mitwalker Freimüller ist aber sogar noch älter, er ist im 72. Lebensjahr!
Ganze 15 Läuferinnen und Läufer zählte man im Ziel des 5,4 km-Einsteigerlaufes, allen voran Tobias Zibold, der in 20:21 min vor Kees Beets (22:16 min) und der schnellsten Frau, Antje Glausch, die 23:16 min benötigte, klar gewinnen konnte.
Spannender war die Sache dann beim Hauptlauf: Ralf Mickeler (SpVgg Holzgerlingen LT) führte vom Start weg eine Fünfergruppe an, die im Rennverlauf ziemliche Auflösungserscheinungen zeigte. So war es denn auch keiner der ihn zunächst begleitenden vier, die ihm am rampenartigen Schlussanstieg am meisten zusetzten – sondern der klug laufende Werner Hasler (Stahl Sport Shop Team).“Beim Berglauf muss man sich, viel mehr noch als in der Ebene, die Kräfte einteilen, sonst ist man hoffnungslos verloren“, so Hasler lachend im Ziel. „Als ich aufgelaufen bin, hat Ralf gesagt, ich solle vorbeilaufen, aber das liegt mir nicht.“ Der mittlerweile passionierte Bergläufer Hasler, letzte Woche bereits in Magstadt Sieger seiner Altersklasse M50 beim Halbmarathon in 1:17:39 h, freut sich bereits jetzt auf die Berglaufsaison. Unter anderem die Deutsche Meisterschaft am Nebelhorn („Das war mein allererster Berglauf“, so Hasler) und der Jungfrau-Marathon stehen auf seinem Plan. „An der Jungfrau werde ich zum vierten Mal starten, und bereits zum zweiten Mal wurde ich eingeladen, weil ich mich in meiner Altersklasse platziert habe“, sagte der Böblinger verschmitzt. „Die Jungfrau ist einfach herrlich, ein ganz besonderer Lauf, da möchte ich immer wieder hingehen.“
Ganz im Gegensatz zu Hasler ist der Sieger Ralf Mickeler eher ein reiner Volksläufer, der quasi nur „Zehner“ bestreitet – das aber äußerst erfolgreich. In der Böblinger Winterlaufserie hat er vorige Woche den Altersklassensieg in der M40 perfekt gemacht und wurde Gesamt-Zweiter. Beim abschließenden Lauf in Magstadt war er Fünfter in der Tageswertung und ebenfalls Sieger in der M40. Dennoch war der Lauf in Schönaich für ihn eine Premiere – es war sein „erster richtiger“ Sieg bei einem Lauf. Lachend erzählte er von einer Begebenheit vor einigen Jahren: „Ich bin mal in Darmsheim einen Fünfer gelaufen, da sind alle, die nach einer Runde vor mir waren, abgebogen in die zweite Runde. Ich war zwar nur Fünfter, aber der erste Fünf-Kilometer-Läufer und habe gewonnen. Eigentlich zählt das ja nicht.“ Mickeler läuft „höchstens 50 Kilometer“ die Woche, trainiert mit dem Lauftreff in Holzgerlingen („Einmal pro Woche gehen wir auf die Bahn – das ist echt ein Glück, dass wir in Holzgerlingen so eine Einrichtung überhaupt haben.“) und fährt ansonsten täglich mit dem Fahrrad ins Geschäft. „Wahrscheinlich trägt das dazu bei, dass ich immer eine gewisse Grundkondition habe, denn ein Asket bin ich nicht. Ich trinke schon gerne abends mal ein Bier.“ Für die beiden Schnellsten wurde die sehr gute Zeit von 39:47 min und 39:48 min gestoppt – sie blieben damit unter der in Schönaich nur schwer zu knackenden Marke von 40 min aber doch knapp 40 Sekunden über dem Streckenrekord.
Gegen Ende stark lief Jan-Caspar Look vom MTV Stuttgart, der fast noch zu den beiden Führenden aufschließen konnte. 39:49 min wurden für ihn gestoppt – alle Achtung, denn der Rückstand vor dem letzten Berg betrug doch ein paar Meter.
Das Frauenrennen dominierte von Beginn an Katrin Vogler von der LG Leinfelden-Echterdingen. Die W35-Läuferin bereitet sich gerade auf den Marathon in Würzburg vor und nutzte den Schönaicher Lauf als erste Standortbestimmung. 2010 konnte sie beim Baden-Marathon in Karlsruhe (2:57:08 h) und beim Marathon in St. Wendel (2:58:30 h) jeweils klar die 3-Stundenmarke unterbieten. „Dass ich in Karlsruhe noch mal unter 3 Stunden geblieben bin hat mich besonders gefreut, denn damit habe ich die Leistung aus dem Frühjahr bestätigen können.“ In Schönaich genügte ihr der Sieg nicht, sie stellte gleich auch noch einen neuen Streckenrekord in 43:23 min auf.
Platz 2 ging in 45:48 min an die Profi-Triathletin Kathrin Paetzold, die sich spontan zu einem Start entschieden hatte. Am Morgen hatte sie bereits ausgiebig trainiert, der Lauf sollte eine verschärfte Tempoeinheit darstellen. „4:10 min sollte ich laut meinem Trainer laufen, das war ganz schön anstrengend bei all den Anstiegen.“ Dennoch lief sie recht gut gelaunt und lachend über die Ziellinie. In Roth bei der Langdistanz wird es bestimmt nicht ganz so locker zugehen, aber bis dahin muss die sympathische Schwäbin sicher noch einige Kilometer im Wasser, auf dem Rad und in den Laufschuhen zurücklegen.
Als dritte Frau komplettierte Lena Berlinger das Podest. Auch sie ist Triathletin, stammt aus Ravensburg, startet für Mengen und befindet sich gerade wegen ihrer Abschlussarbeit an der Universität in der Gegend. „Es war zwar anstrengend, da der Lauf doch recht schwierig ist, aber es ist damit auch unglaublich kurzweilig und hat Spaß gemacht.“ Übrigens behielten bei den Frauen die Triathletinnen die Oberhand. Platz 2, 3 und 5 gingen an die Multisportlerinnen. Cornelia Jahncke, die bereits in der W55 startet, zeigte einmal mehr, wie gut sie laufen kann und siegte klar in ihrer Altersklasse und belegte insgesamt Rang 5 in 48:55 min.
Das wohlverdiente Bier, das für Voranmelder gratis ausgeschenkt wurde, fand auch reißenden Absatz, ebenso wie die Waffeln und der Kuchen in der Sport- und Gemeindehalle direkt neben dem Zieleinlauf.
Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: http://www.lt-schoenaich.de/veranstaltungen.htm


