9. Illinger EnBW Lauf
Fotos: Jochen Höschele
Illingen rennt! Alternativer Antrieb im Stromberg
Illingen, 09. April 2011 - Bereits zum neunten Mal gaben sich Läuferinnen und Läufer in Illingen im Enzkreis zwischen Stuttgart und Karlsruhe gelegen ein Stelldichein. Die 7.000 Einwohner kleine Gemeinde liegt an der südlichen Flanke des Strombergs und ist von einer Landschaft bestehend aus Streuobstwiesen, Weinbergen und Wald geprägt.
In Illingen ist so manches fast schon Tradition, so manches aber doch immer wieder neu. Zur Tradition gehört sicher das hervorragende Wetter, das man seit Jahren abonniert zu haben scheint. Tradition ist auch, dass der vom Team Sport Evolution ausgetragene Volkslauf meist Teil einer Serienwertung ist (Volkslaufmannschaftsmeisterschaften des Württembergischen Leichtathletikverbandes oder der S-Cup der Sparkasse Pforzheim-Calw). Und Tradition ist, dass sich die Streckenführung über die Jahre mehrfach geändert hat.
Vom schnellen Citylauf über mehrere Runden topfeben – aber nicht immer exakt vermessen – durch die kleine Innenstadt und das angrenzende Industriegebiet ging man im Vorjahr über zu einem anspruchsvolleren Landschaftslauf durch das Wald- und Seengebiet der Gemeinde.
Es waren sich alle einig; die jetzige Strecke ist zwar nicht mehr sonderlich schnell und eher schwierig zu laufen aber sehr viel attraktiver als früher.
Gestartet wurde in Illingen dieses Jahr für einen Sonntagslauf ungewöhnlich spät. Erst um 13:15 Uhr sollte der Hauptlauf über 10 km beginnen. Kurz danach waren die Einsteiger über 4,6 km dran. Im Vorfeld fanden eine Reihe von Schülerläufen statt, so dass reges Treiben rund um die Stromberghalle Illingens herrschte.
Auf allen Strecken konnte man einen Teilnehmerzuwachs verzeichnen. Am stärksten fiel er bei den Schülern aus, was auf das besondere Engagement der Alison und Peter Klein Stiftung aus dem nahen Nussdorf zurückzuführen ist. Neben ihrer überregional bekannten Kunstsammlung fördern sie unter anderem soziale Projekte in der Region und den Sport. Peter Klein ist selbst begeisterter Marathonläufer und möchte zusammen mit seiner Frau Kindern die Freude an der Bewegung vermitteln. Ihr Konzept, dass jede Schule, die Teilnehmer zum Lauf anmeldet für jeden laufenden Schüler einen kleinen Geldbetrag gespendet bekommt, geht auf. In Illingen gingen 324 Kinder an den Start! Das Ziel erreichten immerhin 278.
Doch auch der Hauptlauf legte deutlich zu. Über 200 Läufer wurden – leider fast 20 Minuten verspätet – auf die Strecke geschickt. Dies war bei sommerlichen Temperaturen nicht sonderlich erfreulich aber aufgrund der länger dauernden Schülerläufe unvermeidlich.
Nach einem etwa 1 km langen Stück durch den Ort und nach der ersten kräftigen Steigung begannen die landschaftlichen Reize der neuen Illinger Strecke. Streuobstwiesen, blühende Apfelbäume und ein stetiges Auf- und Ab durch den frühlingshaften Illinger Wald. Wie so oft werden die meisten mehr mit dem Schnaufen als mit dem Schauen beschäftigt gewesen sein. Vielleicht konnte der eine oder andere wenigstens beim Ein- und Auslaufen die Landschaft genießen.
Das Blattwerk war angesichts der Jahreszeit noch ziemlich dünn, so dass der Wald nicht den üblichen kühlenden Schatten spendete. Um Hitzestaus zu vermeiden gab es daher drei Wasserstellen, an denen man sich das kühle Nass entweder in die Kehle oder über den Kopf schütten konnte.
Der Rennverlauf des 10 km-Rennens ist schnell geschildert. Bei Kilometer drei setzten sich der Pforzheimer Markus Nippa und Martin Diepold (VfL Sindelfingen) vom Rest des Feldes ab und liefen dann etwa drei Kilometer gemeinsam. Für Nippa war das Tempo aber offensichtlich zu langsam, er forcierte ein wenig, um sich einen Vorsprung herauszulaufen. Diese Spitzenposition gab er bis zum Schluss dann auch nicht mehr ab. Nach 34:13 min kam er als Erster unter dem kräftigen Beifall der zahlreichen Zuschauer im Ziel an. „Die ungewohnte Wärme machte mir schon zu schaffen.“ Auf die Frage, wie er die Streckenführung empfand meinte er, dass er bei km 6 eigentlich dachte, „das war’s jetzt mit den Anstiegen“, aber dann kam da noch so ein gemeiner Berg. Plötzlich auftauchende Berge und ungewohnte Wärme hinderten ihn letztlich aber nicht daran, ein tolles Rennen zu laufen.
Martin Diepold erreichte Platz 2 in 35:16 min vor Daniel Wilser vom ausrichtenden Team Sport Evolution in 36:01 min.
Nippa hatte auch schon den ersten Wertungslauf des S-Cups der Sparkasse Pforzheim-Calw beim Calwer Hesselauf bestritten. Es fehlen ihm also nur noch zwei Läufe, um in die Serienwertung zu kommen.
Bei den Frauen war mit Regina Vielmeier (SV Oberkollbach) eine „gute Bekannte“ nach Illingen gekommen. Sie hatte im Vorjahr klar den Frauensieg mit nach Hause in den Schwarzwald nehmen können und besticht 2011 durch eine sehr gute Form. Beim Halbmarathon in Kandel blieb sie nur ganz knapp über der Marke von 1:30 h. Die Form der Neu-W50erin scheint also zu stimmen. So hofft sie, kommende Woche bei der Deutschen Halbmarathonmeisterschaft in Griesheim „einmal im Leben unter 1:30 h zu bleiben“. Außerdem möchte sie beim Mittelrheinmarathon einmal mehr ein gutes Marathonergebnis mit nach Hause zu nehmen. Kurzfristig zu einem Start hatte sich die aus dem Nachbarort stammende Nicole Benning (EK Schwaikheim) entschlossen. Am Vorabend war sie aus dem Rennrad-Urlaub in Südfrankreich zurückgekehrt und war bei der Durchfahrt durch Illingen dank des Plakates an den Lauf erinnert worden.
Vielmeier und Benning liefen den ersten Kilometer gemeinsam, am Berg ging die Schwaikheimerin dann vorbei und gab die Führung nicht mehr aus der Hand. In 40:36 min lief sie als erste Frau über die Ziellinie. Regina Vielmeier konnte ihre Leistung aus dem Vorjahr deutlich um fast 45 Sekunden auf 41:58 min verbessern und war mit sich und der Welt sichtlich zufrieden. „Das bestätigt, dass die Form stimmt. Griesheim kann kommen.“ Dritte wurde Susanne Heuer in 43:57 min.
Beim Einsteigerlauf über 4,6 km wurde Thorsten Siegl (Team Roy Sports) seiner Favoritenrolle klar gerecht. Er siegte mit deutlichem Vorsprung in 15:43 min vor Marco Weber (16:32 min) und Marcel Ganszky in 16:48 min. Vorjahressieger Dominik Jäckle vom Team Sport Evolution musste sich mit Platz sieben begnügen. Bei den Frauen war die erst 13-jährige Saskia Herzig in 21:56 min die Schnellste. Sie konnte Ulla Held (24:44 min) und Anne Kapouranis (24:55 min) klar distanzieren. Die Strecke des Einsteigerlaufes ist bis kurz nach dem zweiten Kilometer identisch mit der des Hauptlaufes, dann wird an den Illinger Seen gewendet und es geht wieder zurück in den Ort. Die schönsten und besten Leckerbissen in Form von Hügeln bleiben den Kurzstrecklern daher vorenthalten.
Direkter Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen:


