Darmstadt Lichtwiesencross
Polizisten, Läufer und Zuschauer erstürmen neue Crossstrecke in Darmstadt
Darmstadt, 20. November 2011 - Der Darmstadt Cross und die Lichtwiese- das gehörte 25 Jahre lang fest zusammen. Auf der Wiese der TU Darmstadt wurden Erfolge und Niederlagen gefeiert, die EM Qualifikation geschafft oder knapp verpasst, über Strohballen gelaufen und sich durch Mulch gekämpft. Doch im Jahr 2011 gab es auf einmal Probleme wegen der Nutzungsrechte: Ein neues Terrain musste gefunden werden, unter großem Zeitdruck. Der Veranstalter Wilfried Raatz und sein Team ließen die Telefondrähte glühen und eine knappe Woche vorher konnte die positive Nachricht verkündet werden, dass Ersatz gefunden wurde. Der SKV Rot-Weiß Darmstadt versprach dem ASC Darmstadt zu helfen und so konnte der Cross auf dem Sport- und Freizeitgelände in der Heimstättensiedlung stattfinden.
Die Streckenlänge und der Zeitplan konnten beibehalten werden, so gab es für die Läuferinnen und Läufer keine Umstellungsprobleme. Durch die Änderungen kannte keiner der Teilnehmer im Vorhinein die Stecke. Im Vorfeld konnte man in einem Interview nur lesen, dass der Kurs noch kompakter sei als auf der Lichtwiese. Viel weiter half das nicht, also fuhr man gespannt zum Wettkampfort. Die Strecke befand sich größtenteils auf einer sandigen Wiese. Es gab viele Kurven, immer wieder Strohballen und drei steile Erdhügel zu überwinden. Umrandet wurde die gesamte Runde (ca.1250m) von Metallabsperrungen. Da in diesem Jahr in Darmstadt gleichzeitig die deutschen Polizeicrossmeisterschaften stattfanden, hatten die Veranstalter gute Unterstützung vom „Freund und Helfer“. „Um halb acht ging es heute Morgen hier los. Die Polizei war mit sechs Tiefladern vor Ort, so war die Streckenumrandung ruckzuck aufgebaut“, erklärte Markus Kessler vom Veranstalterteam. So konnte der erste Startschuss pünktlich fallen und die ersten Läufer auf die Strecke geschickt werden.
Los ging es um halb zwölf für die Schülerinnen B. 2500m, also zwei Runden mussten die Dreizehn- und Vierzehnjährigen absolvieren. Am schnellsten war Leonie Poppe vom 1.LAV Rostock (9:58min). Acht Sekunden hinter ihr kam Nathalie Hupp über die Ziellinie gesprintet (10:06min; LF Lüchtringen), die sich gegen Lisa Oed vom SSC Hanau-Rodenbach (10:09min) durchsetzte. Eine Viertelstunde später wurden die Schüler B auf die Strecke geschickt. Benny Ley vom Stimmel-Sports e.V. (9:05min) verhinderte durch ein starkes Rennen (9:05min) einen Hanau-Rodenbacher Dreifacherfolg. So kamen Lenny Löffler (9:20min), Tobias Oed (9:21min) und Vitali Ivanov (9:27min) auf die Plätze zwei bis vier.
Pünktlich zur Mittagszeit fiel der Startschuss für die weibliche Jugend A und B, sowie die Frauen der Altersklassen W35 bis W70. 55 Starterinnen gaben ihr Bestes. Für die Schnellste Läuferin, Gesa-Felicitas Krause (LG Eintracht Frankfurt) bedeutete dies nach 4400m eine Endzeit von 15:39min. Bis 300m vorm Ziel lief sie mit der späteren Zweitplatzierten Jannika John (LAC Quelle Fürth; 15:48min) und der Drittplatzierten Maya Rehberg (SC Rönnau74; 16:00min) gemeinsam, bevor sie einen fulminanten Schlussturbo zündete und als Erste die Ziellinie überquerte. Über ihre Qualifikation für die Cross-Europameisterschaften konnten sich alle drei freuen, wo sie dann gemeinsam für Deutschland starten werden. Alle drei waren schon letztes Jahr in Albufeira/POR dabei, wo sie zusammen die Silbermedaille holten. Die Tasche nach Valenje in drei Wochen können außerdem noch Elena Burkard (LG Badenova Nordschwarzwald; 16:04min), Anne Reischmann (VFB LC Friedrichshafen; 16:13min) und Johanna Schulz (SC Gut-Heil Neumünster; 16:26min) packen. Maya Rehberg und Johanna Schulz sind beide sogar noch B-Jugendliche, somit werden sie die Jüngsten im deutschen Team sein.
Im Lauf 4 um 12:25 Uhr wurde es deutlich schneller, denn nun standen die Crosssprints auf dem Tagesprogramm. Eine Einführungsrunde, also ca. 600m galt es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Die ersten zwölf qualifizierten sich dann für das Finale eine Stunde später.
Im Crosssprint der Frauen gab es nur fünf Starterinnen und somit war jede bereits vor dem Start für den Endlauf qualifiziert. Trotzdem mussten auch sie zweimal die 600m laufen. Aline Krebs (LAZ, Zweibrücken; 1:45min) vor Daniela Fehrens (LG Neckar-Enz; 1:46min), so lautete die Reihenfolge sowohl im Vorlauf als auch im Endlauf.
Bei der weiblichen Jugend gab es genau zwölf Starterinnen und somit konnte auch hier jede schon fest mit dem späteren Endlauf planen. Beide Läufe gewann Christine Gess vom TSG Balingen (1:47min). Mit dieser starken Zeit wäre sie sogar bei den Frauen Dritte geworden. Den zweiten Platz sicherte sich Tabea Themann (SV Molbergen; 1:50min), Dritte wurde Eileen Bischoff (LAZ Zweibrücken; 1:52min).
Bei der männlichen Jugend konnte der Rülzheimer Patrick Zwicker nach 1:33min mit 2s Vorsprung vor Luca Randasso und Felix Franz (LG Neckar-Enz) als Erster jubeln.
Um 12:45h fiel der Startschuss zu der ca. 6700m langen Cross-Strecke für die Juniorinnen und die Frauen der Deutschen Polizeimeisterschaften. 30s vor ihnen starteten bereits die männliche Jugend A, somit ging es mit 180 Starterinnen und Startern ziemlich turbulent auf der Strecke zu- eine gute Generalprobe für die Cross-Europameisterschaften. Schon nach den ersten Metern formierte sich bei den Juniorinnen eine kleine Spitzengruppe um die vielfache Deutsche Meisterin Corinna Harrer, die WM Teilnehmerin Jana Sussmann und den Hahner-Zwillingen. Nach 3000m sprengte Anna mit einer Tempoerhöhung die Gruppe und setzte sich von den Verfolgerinnen ab. Ihren Abstand konnte sie auf den verbleibenden drei Runden und ca. 3700m auf 34s ausbauen. „Es lief schon wie in Pforzheim richtig gut. Zurzeit passt einfach alles zusammen“, kommentierte Anna im Ziel ihre Leistung. Spannend ging es hinter ihr zwischen Corinna Harrer und Lisa Hahner im Kampf um Platz 2 zu. Denn Lisa (RUN2SKY.com; 24:53min) schob sich Meter für Meter an die Regensburger Laufhoffnung heran, im Schlepptau Jana Sussmann (LG Nordheide; 24:55min). Im Ziel trennten sie fünf bzw. sieben Sekunden von dem zweiten Platz. Ergänzt wird die Deutsche Mannschaft in Slowenien von Jana Soethout (ASV Köln; 25:24min) und einer weiteren Läuferin, die erst nächste Woche nach dem Cross in Tilburg nominiert wird. Den Polizeimeistertitel sicherte sich Christiane Pilz von der Polizei Mecklenburg Vorpommern (26:23min).
Neben den Hahnertwins war noch ein weiterer Zwilling auf der Strecke und auch sie holten sich den ersten und dritten Platz in ihrer Altersklasse, der männlichen Jugend A. Bastian (22:06min) und Martin Grau (22:11min) vom TSV Höchstadt/Aich werden nun zum ersten Mal bei den Cross-Europameisterschaften starten. Zwischen die beiden schob sich Stig Rehberg (SC Rönnau74; 22:08min), der ebenso wie seine jüngere Schwester Maya in Valenje dabei sein wird. Moritz Steininger (1. FC Passau) und Hendrik Pfeiffer (LAC Rhede) lieferten sich mit Martin Grau einen überaus spannenden Zieleinlauf. Ein Hauch von fünf Zehntelsekunden trennten die Plätze drei und fünf. Auf Platz sechs kam Johannes Motschmann (SC Magdeburg; 22:26min) recht einsam über die Ziellinie gelaufen- mit 15s Rückstand nach vorne, und 10s Puffer nach hinten. Dass Zwillingsgene gute Läufergene sind, beweisen viele Beispiele in der deutschen Leichtathletik. Auch Johannes Motschmann hat einen Zwillingsbruder, Lukas, der mit seinem 14. Platz jedoch nicht in den Kampf um einen EM-Startplatz eingreifen konnte.
Einen traurigen Anblick bot das Starterfeld der Frauen. Man musste an der Startlinie schon sehr genau suchen, um die Starterinnen zwischen all den Junioren ausfindig zu machen. „Ich wäre lieber mit den Juniorinnen in einem Rennen gelaufen. Dann wäre man nicht so allein auf weiter Flur gewesen“, kommentierte Heike Bienstein (LG Olympia Dortmund) das kleine Starterfeld nach ihrem Lauf. Vorne weg lief die Äthiopierin Eleni Gebremedhim (TV Wattenscheid; 31:34min), die einmal Cross-Luft schnuppern wollte, war es doch ihr erste Start bei einem Cross-Rennen. Sonst ist sie eher auf der Straße anzutreffen, wie beispielsweise beim diesjährigen Köln Halbmarathon, wo sie als Zweite ins Ziel kam.
Die Junioren boten den Zuschauern das wohl spannendste Finale des Tages. Richard Ringer und Florian Orth stürmten Kopf an Kopf nach 28:05min über die Ziellinie. Die Ordner im Zielbereich waren sich uneinig, wer denn nun einen Tick weiter vorne gewesen sei. Da es kein Zielfoto gab, einigte man sich übereinstimmend auf einen Doppelsieg. So gab es bei den Junioren keinen Zweitplatzierten, jedoch zwei glückliche Gewinner. Mehr als die Hälfte des Rennens führte eine Fünfergruppe das Feld an, bis sich Ringer und Orth durch eine Tempoverschärfung von den Anderen lösten. Das Treppchen komplettierte der engagiert laufende Tübinger Michael Schramm (28:25min). Nun können sich auch die deutschen Junioren auf die Cross-Europameisterschaften vorbereiten. Die Nominierungen sollen in der kommenden Woche vorgenommen werden.
Um 14:25min wurden die Schüler A auf die Strecke geschickt, eine Minute später ihre weiblichen Altersgenossinnen. Bei den Jungen dominierte der ältere Jahrgang 1996 das Rennen. Spannend war es bei den 2500m bis zum Schluss, trennten die ersten fünf doch nur vier Sekunden. David Zawadski von der SC Neubrandenburg (8:30min) war am schnellsten, zwei bzw. drei Sekunden hinter ihm kamen Max Glöckner (SC Magdeburg) und Kidane Tewolde (SSC Hanau-Rodenbach) über die Ziellinie geflogen. Die Schülerinnen A starteten gemeinsam mit der Frauen Mittelstrecke der deutschen Polizeimeisterschaften. Lisa Jäsert, die für die Polizei Sachsen-Anhalt an den Start ging, holte sich nach 9:27min den Titel. Für die Bronzemedaillengewinnerin der U20-Europameisterschaften war es bereits das zweite Rennen an diesem Tag. Gut zwei Stunden zuvor startete sie bereits bei der Jugend A, wo sie Neunte wurde. Als Erste der Schülerinnen A überquerte Johanna Küpper (LC Euskirchen) nach 9:42min die Ziellinie, 5s vor Wibke Richter (SC Neubrandenburg).
Die Männer Mittelstrecke der deutschen Polizeimeisterschaften kämpften sich zusammen mit der männlichen Jugend B über 4400m. Uya Abdi (LG Eintracht Frankfurt; 13:47min) siegte souverän und ließ den anderen keine Chance. 16s Vorsprung hatte er vor Julius Lawnik (SC Magdeburg; 14:03min), der als Zweiter auch vor allen Männern die Ziellinie überquerte. Dritter im Gesamteinlauf und Deutscher Polizeimeister 2011 wurde Simon Schwarz von der Bundespolizei (14:10min).
Die längste Distanz des Tages hatten die Starter der Männer Langstrecke hinter sich zu legen. 10.300m, d.h. über gefühlte hundert Strohballen laufen, unendlich viele Male die Erdhügel erklimmen bis man endlich die Abzweigung in Richtung Ziellinie nehmen durfte. Bei dem späteren Sieger Philip Kipto Rutto, der eine Woche zuvor auch souverän in Pforzheim gewann, sah das Laufen trotzdem mühelos aus. Mit mehr als einer halben Minute Vorsprung lief er nach 33:27min über die Ziellinie. Dahinter ging es lange Zeit eng und spannend zu. Auf Platz zwei kam schließlich der Tübinger Filmon Ghirmai (33:59min), der sich gegen Ende des Rennens von der Verfolgergruppe absetzen konnte. Vier Sekunden dahinter überquerte der neudeutsche Marian Blazinski (SG Schramberg) die Ziellinie. Er hatte das bessere Finish und verwies so den für die LG Telis Finanz Regensburg startenden Julian Flügel (34:10min) auf Platz vier. Ein erfreuliches Comeback konnte sein Vereinskamerad Philipp Pflieger nach einer langen Verletzungspause mit Platz fünf (34:17min) feiern. Mit einem Zwinkern kommentierte er nach dem Rennen: „Platz 5 beim beim Deutschen Cross Cup in Darmstadt und Platz 4 national. Ich habe im letzten Jahr offenbar nicht alles verlernt. Weiter geht’s!“. Den Deutschen Polizeimeistertitel sicherte sich der Erfurter Rico Schwarz, der bei der Polizei Thüringen angestellt ist (35:17min).
Wie lautet nun nach einem spannenden Wettkampftag mit 14 Läufen das Fazit über die neue Strecke? „Die neue Strecke hier in Darmstadt gefällt mir noch besser als die Strecke auf der Lichtwiese. Ich finde sie aufgrund der Hügel und vielen Kurven anspruchsvoller, aber das macht ja der Reiz aus“, beurteilt die Siegerin der Juniorinnen Anna Hahner die neue Strecke. Auch die Zuschauer waren begeistert von der Strecke, bat sie doch sehr gute Möglichkeiten, während des Rennens die Läufer von verschiedenen Punkten aus anzufeuern- die vielen Kurven machten es möglich. Zwei Stunden dauerte der Aufbau, eine ähnliche Zeitspanne dürften die Organisatoren für den Abbau einplanen. Und Morgen früh werden nur noch die Spikesspuren auf der Wiese verraten, dass am gestrigen Tage ein paar mehr Füße als üblich die Wiese durchkreuzt haben.
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