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Schlafen, Essen, Laufen: Der Rhythmus des Trainingslagers

[eingestellt am 20. Januar 2013]

Von: hahnertwins

Ein Teil des deutschen Teams im Stadion in Chiclana

Ihr seid Marathonläufer? Da müsst ihr aber sehr viel trainieren. Sicherlich laufen Sie 10-15km am Tag. So lautete der Kommentar eines Hotelgastes, der uns beim Abendessen ansprach. „Naja, ein bisschen mehr kommt da schon zusammen“, antworteten wir grinsend.

Der neue Bundestrainer Wolfgang Heinig und die Bundesassistenztrainerin Kathrin Dörre-Heinig bereiten einen großen Teil der Kaderathleten Langstrecke/Marathon im sonnigen Chiclana auf die kommende Saison vor. Katrin Dörre-Heinig war schon mehrmals selbst als Athletin im Südwesten Spaniens, Wolfgang Heinig kennt die Gegend von unzähligen Trainingslagern in- und auswendig. Unterstützt werden sie bei der Trainingssteuerung vom HLV-Sportwart Michael Siegel. Neben Heinigs Athleten wie den Marathonläuferinnen Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) und den Hahnerzwillingen (RUN2SKY.com) legt auch Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) in Spanien die Grundlage für ihren Marathon in Boston Mitte April. „Aus dem Januar-Trainingslager nehme ich immer viel mit, es zeigt mir, wo ich stehe und wo es in der Saison hingehen kann.“ Außerdem bereitet sich Veronika Pohl (Bayer Leverkusen) auf ihren zweiten Marathon vor und Nina Stöcker (LG Ratio Münster) schnuppert schon einmal an dem Marathontraining.

Die männliche Fraktion bilden Markus Weiß-Latzko, Sören Kah, Musa Roba Kinkal und Falk Cierpinski. Neben den Marathonis sind aber auch Benjamin Stalf, die Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause oder die Mittelstrecklerin Lisa Jäsert dabei, sowie Homiyu Tesfaye und Nico Sonnenberg (alle LG Eintracht Frankfurt), der beim Ländervergleichskampf in Glasgow Ende Januar die deutschen Farben über 3000m vertreten wird. Auch Tono Kirschbaum ist mit Athleten vom TV Wattenscheid 01, Eleni Gebrehiwot, Alexander Ide und Jonas Beverungen, den heimischen Temperaturen in Richtung Spanien entflohen. Irina Mikitenko (LG Eintracht Frankfurt) wird bis zu ihrem Marathonstart in Tokyo Anfang Februar die milden Temperaturen für eine optimale Vorbereitung nutzen, auch die Geher um Bundestrainer Ron Weigel und Bundestrainerin Manja Berger (zuständig für C-Kader) spulen ihr Trainingsprogramm unter spanischer Sonne ab.

Mit dabei ist Arzt und Physiotherapeut Matthias Kieb aus Rostock, der seine Physioliege im Schwimmbadbereich des Hotels aufgebaut hat, um den Athleten eine entspannende Atmosphäre zu bieten. „Ich überlege mir einfach, was ich mir als Athlet selbst gewünscht hätte, und setze das dann um“, erklärt er seine Philosophie. Er lässt sich auch nicht stören, wenn um 21Uhr die Lichter ausgehen, schließlich „sieht“ er mit seinen Händen. Morgens um 7Uhr treten alle Athleten zum Auftakt an, dann geht es auf die „Lumi-Runde“, benannt nach der mehrmaligen Frankfurt-Marathonsiegerin Luminita Zaituc. Diese habe aus Angst vor wilden Hunden nahezu ihr gesamtes Training auf der 3,5km langen Runde abgespult, wird uns erzählt. Die Runde ist zwar morgens nicht schlecht, für Dauerläufe entfernen wir uns aber doch lieber ein wenig weiter vom Hotel. Beim Bahntraining, Bergtraining und den Tempodauerläufen reicht der Atem für keine Unterhaltung, dafür dann nachmittags beim Dauerlauf oder spätestens abends beim gemeinsamen Abendessen. Läufer wissen wie Läufer ticken. Auch wenn man in Rennen gegeneinander läuft, trainiert man gerne miteinander, motiviert sich gegenseitig, philosophiert über die schönsten Laufmomente oder die beste Lauftechnik.

Wer viel trainiert, muss auch viel trinken. Deshalb kommt zum Krafttraining auch noch das Sixpack-Tragen der Wasserflaschen hinzu. Zwei Läuferinnen hatten sich zwei Pack Wasser geholt und diese neben das Auto am Parkplatz abgestellt. Bei blauem Himmel und Sonnenschein entschloss man sich spontan, sich auf die 100m entfernten Treppenstufen zu setzen und hier auf den Rest der Gruppe zu warten. Als sie jedoch zurück zum Auto kamen, waren die Wasserflaschen weg. „Wer klaut schon zwei Sixpacks mit stillem Mineralwasser?“, fragten wir uns ungläubig. Sogleich zeigten sich die Laufkolleginnen hilfsbereit und halfen bis zum nächsten Tag mit Wasser aus. Außenstehende wundern sich manchmal über die gute Stimmung in der Gruppe, obwohl man in Wettkämpfen gegeneinander läuft. So ticken wir Langstreckler eben. Schlafen, Essen, Laufen- das Leben kann so einfach sein.


Pfälzerwaldmarathon Pirmasens